Dreimal die Hacken zusammenschlagen und dabei “There is no place like home” aufsprechen. So oder ähnlich war es bei Alice im Wunderland, jedenfalls laut der Interpretation der Zucker Brüder. Die Lehre war, dass es zuhause am schoensten ist und das Wunderland nicht existiert.  Jedesmal, wenn ich die eine Heimat verlasse um die andere zu besuchen, muss ich daran denken, an das „there is no place like home“ und jedesmal interpretiere ich das Gefühl, dass dabei entsteht anders. Jetzt, nach zehnmonatiger Abstinenz sehe ich Deutschland vielleicht zum ersten mal wie ein Besucher, ein wenig wie Bill Bryson als er zurück an die Ostküste kehrte nach vielen Jahren in Europa. Nun möchte ich mich literarisch nicht messen mit Herrn Bryson, sondern nur schildern, wie ich die Dinge sehe, vielleicht auch als Gedächnisstütze für mich selbst, um später einmal nachvollziehen zu können, wann und wie ich ein Ausländer geworden bin, a legal alien in New York.

Meine Reise beginnt in der West 3rd Street, die ich hinunterlaufe, vom Broadway hinüber zur U-Bahnstation West 4th, quer durch das NYU Studentenviertel, vorbei am besten Falafelstand der Stadt, eine letzte Stärkung noch vor dem Flug nehme ich zu mir. Der A Train nach Howard Beach ist voll mit Menschen aller Nationen, ein Gewirr von Sprachen und Hautfarben aller Schattierungen. Der A Train ist auch nicht der modernste, am ehesten erinnert er noch an Filme der 80er Jahre, als eine U-Bahnfahrt durch Brooklyn noch ein echtes Abenteuer war, no sleep til Brooklyn halt. Umso grösser ist der Kontrast, wenn man in Howard Beach ankommt und von einem der modernsten Bahnhöfen in Empfang genommen wird. Das kostet dann auch gleich $5 extra, soviel muss man zahlen um den kurzen Zubringerzug zum Flugterminal zu nutzen. Dort fällt mir noch eine amerikanische Eigenart auf: der Service ist immer freundlich, selten jedoch schnell. Die Dame am Deltaschalter braucht so auch eine halbe Stunde um mein Ticket auszudrucken, freundliche Kollegen kommen ihr zu Hilfe. Sie konnte die Fragen der Deltadialogmaske nicht beantworten. Die Zieladresse des Reisenden verlangt die Eingabe eines zweistelligen Buchstabenkürzels für den „State“. Leer oder BY fuer Bayern funktionieren nicht, wir kommen also nicht weiter. Erst als jemand auf die Idee kommt einfach eine amerikanische Adresse zu nehmen klappt‘s.

Kurz vor dem Flug drängt sich mir noch ein Samual Adams auf, ein großes nach amerikanischem Mass, nicht nach bayrischem. $11 ärmer gehe ich an Board und schlafe kurz nach dem Abendessen ein. Ein plötzlicher Sturzflug weckt mich auf, wir müssen zwischenlanden in Irland, scheinbar geht es einem Passagier extrem schlecht. Der Flieger ist in fünf Minuten unten, schon kurz nach der Ansage sah ich die Bremsklappen ausfahren und wenige Minuten danach hörte man das ausgefahrene Fahrwerk einrasten. Der Zwischenstopp zieht sich, hoffentlich geht es dem Patienten bald besser. Mein Bahnticket mit Zugbindung (der Schwabe in mir hatte mal wieder zugeschlagen) verliert gerade seine Gültigkeit, da geht es weiter. Mit drei Stunden Verspätung kommen wir in Frankfurt an. Die Immigration ist hier unproblematisch, ausnahmsweise bin ich ja Inländer mit gültigem Pass. Mir fällt auf, dass es keinen Schalter für deutsche Staatsbürger gibt, nur EU oder Nicht-EU, so haben wir die Welt aufgeteilt. Ideal für uns Deutsche diese EU, da hat man was zum Identifizieren ohne sich mit der Scham des Nationalstolzes auseinandersetzen zu müssen. Ich bin stolz ein Europäer zu sein, kling doch gut.

Die ersten Minuten in Deutschland. Irgendwie ist alles anders, ich empfinde es als ungewohnt, fast ein wenig fremd. Alles ist sehr sauber und aufgeräumt aber auch ein wenig trist hier. Na gut, der Frankfurter Flughafen ist ja auch kein Repräsentant deutscher Gemütlichkeit, das ist klar. Bei meiner letzten Ankunft vor zehn Monaten fiel mir zuerst das Rauchen auf, aber das ist ja nun auch passé. Am Gepäckband lausche ich den Gesprächen der Reisenden, die ihre Eindrücke von Amerika verarbeiten. Da ist von Gastfamilien die Rede, ein Mädchen erzählt ihre hätte keinen Fernseher im Wohnzimmer gehabt. Da sind zwei „like girls“, die waren shoppen und voller Begeisterung von Malls und Victoria Secret. $600 Dollar haben sie ausgegeben, das meiste für Abercrombie & Fitch. Die Geschäftsleute, die neben mir im ICE Kaffee sitzen, sind irgendwie putzig. So weltmännisch, am Telefon wird schon mal Englisch gesprochen, das macht was her.  Daneben ein Tisch mit Japanern, sie sind besser angezogen. Mir fällt auf, dass ich nicht mehr weiß, wie man nach der Rechnung fragt. Mir liegt „Der Scheck, bitte“ auf der Zunge, besinne mich dann aber doch noch eines Besseren. Schließlich steige ich ein in den ICE nach Nürnberg. Die Fahrt ist unglaublich ruhig, ganz anders wie in dem einzigen ICE, den das deutsche Konsortium in die USA verkauft hat, dem Acela, in dem es nur so rumpelt. Nein, der Zug hier ist klasse, ich kann in ruhe lesen und das hier in meinen Computer tippen. Plötzlich höre ich jemanden zwei Reihen vor mir telefonieren. Er spricht fränkisch und ist auf dem Weg nach Hause, nach Nürnberg. Ich muss lächeln und merke: das klingt nach Heimat.

To be continued…

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