Der neue Job bringt es so mit sich, dass sich täglich mehr und mehr Aufgaben anhäufen, die ich auf irgendwelche Zettel schreibe. Diese liegen dann entweder in meinem Notizbuch, auf dem Schreibtisch oder kleben als Post-its am Rechner vor mir. Blöd ist nur, die habe ich natürlich nie dabei, wenn ich unterwegs bin und vergesse manchmal was, wenn ich mich nicht durch einen Kalendereintrag abgesichert habe. Zuhause oder überall außerhalb des Büros hat sich die Email Notiz als zuverlässige Methode erwiesen: ich schicke mir einfach selbst eine Mail, das kommt sicher an und kann auf allen Geräten abgefragt werden, hat aber den Nachteil, dass es sich nur sehr halbanalog mit meinen Schmierzetteln synced. Vor ein paar Tagen hat es mir dann gereicht und ich hab mich ernsthaft auf die Suche nach einer geeigneten Softwarelösung für das Problem gemacht.

Eine der wichtigsten Anforderungen ist, dass sich meine Todo Listen leicht von überall abrufen lassen. Das sollte ja eigentlich kein Problem sein, denkt man, da gibt es bestimmt eine App dafür. Idealerweise eine für’s iPhone und eine für’s iPad. Am besten noch mit Webzugriff oder eine Standalone App für den Mac. Alles soll sich syncen, in alle Richtungen, alles Cloud-basiert. Nach kurzer Suche und Nachfragen unter Kollegen drängten sich 3 Kandidaten auf: OmniFocus, Things und Action Method. Alle machen ungefähr das Gleiche, sie versprechen Aufgaben und damit das Leben nach der GTD Methode (Getting Things Done) besser zu organisieren. OmniFocus ist von dem, was ich erkennen kann, die Lösung mit den meisten Features. Es gibt Apps für den Mac, für iPad und iPhone. Das Problem: wenn man alle 3 Versionen kauft ist man knapp $140 los, kein Pappenstiel. Things sieht irgendwie noch etwas besser designed aus, schlägt aber auch mit immerhin ca. $80 zu Buche (alle 3 Plattformen). Die Action Method bietet sogar total analoge Hilfsmittel wie spezielle ToDo Blöcke an. Die Air App, die mein Kollege benutzt sieht eigentlich ganz sexy aus, hat aber auch ein paar Defizite. Was mich am meisten stört ist das Abo-Modell, mit $99 im Jahr nicht gerade günstig. Zwischenergebnis: ich gebe erstmal auf.

Doch dann, durch Zufall, stosse ich auf Wunderlist, das Todolistenwunder aus Berlin. Die Seite ist komplett auf Englisch und ich brauche einen Moment, bevor ich auf das “Made in Berlin” aufmerksam werde. Abgelenkt werde ich von Versprechen wie “Free – for any device” und der Liste der unterstützten Geräte: da ist alles dabei, was ich brauche (iPhone, iPad, Mac) und was ich nicht brauche (aber vielleicht irgendwann mal: Android, Windows). Eine schicke HTML 5 Webversion gibt’s auch noch, zum Nachtisch. Doch damit sind wir mit den Sympathiepunkten noch nicht am Ende: nachdem ich Wunderlist auf allen Geräten installiert hab, überzeugt das gut durchdachte Design (sogar wechselbare Hintergründe gibt’s) und die Performance. Cloud-syncen klappt auch hervorragend, alles also im grünen Bereich. Dass die Jungs (und Mädels) das auch noch als Open Source auf GitHub gestellt haben (GTD Lizenz) ist die Sahne auf dem Kuchen, wie wir hier sagen würden.

Nach ein paar Tagen intensiver Nutzung hat sich meine Begeisterung noch nicht gelegt. Gut, es gibt keine genesteten Kategorien, was den Vorteil hätte nach Kunden und Projekten zu ordnen. Das würde mir noch etwas weiter helfen, aber mit mehr Features kommen natürlich auch komplexere Interfaceherausforderungen. Ich hoffe nur, dass die 6Wunderkinder das Lizenzmodel nicht ändern, was ich nicht glaube, denn die haben offensichtlich Größeres vor, Wunderlist war nur eine Übung zum warm werden. Übrigens: der Blog ist auch ganz interessant zu lesen, zum Beispiel wie sie per Skype Risikokapital aufgetrieben habe. Mit Sicherheit ein Team, das man nicht aus den Augen verlieren sollte.

 

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