Kein Deutschlandaufenthalt ohne Buchkauf. Die Nürnberger Innenstadt hat einige große Geschäfte zu Auswahl, ich geh in das erstbeste. Zunächst ein kurzer Scan der Bestsellerregale (Der Spiegel und die Buchhandlung Top 50 konkurrieren an einer Wand), dann ab in die Neuheitenecke und zu den deutschen Romanen. Nach ein wenig rumstöbern stelle ich schnell fest, Hilfe kann nicht schaden, ich kann einen Tipp gebrauchen. Die nette Dame berät mich gerne und kompetent, sie ist ein wenig älter und begeistert sich an Schriftstellern in ihrem Alter. Ausserdem ist sie vermutlich sehr belesen und da achtet man dann zwangsläufig irgendwann mehr auf die Art und Weise wie etwas beschrieben wird als auf die eigentliche Geschichte. Ich finds auch toll wenn man grandiose Sätze ließt, bei denen man merkt, dass in jedem stundenlange, harte Arbeit steckt. Aber ich brauche auch eine gute Geschichte, irgendwas am Besten, das ich irgendwie nachvollziehen kann, also nicht so gerne Superhelden die in ferner Zukunft die Welt retten oder Geister, Götter und dergleichen beschwören, sondern eher so Typen wie du und ich  oder wie du und ich gerne währen oder manchmal auch so, wie wir nicht gerne wären. Jedenfalls empfielt sie mir Daniel Kehlmann, neben anderen und ich gehe mit drei Büchern nach Hause.

Zurück in New York fange ich mit Ruhm an, von besagtem Kehlmann, der mit “Die Vermessung der Welt” zu eben jenem gekommen ist. Ruhm ist ein Roman in Episodenform, alle Geschichten haben irgendwie etwas miteinander zu tun, aber sind nicht wirklich miteinander verknüpft. Eigentlich eine ideale Lektüre für den täglichen Commute in der Stadt, täglich sitze ich mehr als eine Stunde in der U-Bahn, da hat man viel Zeit und kann jeweils eine Story schaffen zwischen Franklin und 28th. Was schnell auffällt, Kehlmann schreibt schon richtig gut, da sitzt alles. Mit wenigen Worten wird wahnsinnig viel erzählt, Situationen, Orte und Stimmungen sicher transportiert, in einem sehr eigenen Stil, den man vermutlich wiedererkennen wird (ist ja mein erstes Kehlmann, daher kann ich hier nur Vermutungen anstellen). Inhaltlich sind die Geschichten sehr unterschiedlich. Nur eines haben sie gleich: durch Kehlmann’s roten Faden fällt es manchmal schwer den emotionalen Wechsel, die Identifikationsübergänge zu begreifen. Nur eine aus der Ich-Perspektive erzählte Episode sticht heraus, die vom Telekommunikations- und Computernerd. Allerdings merkt man Kehlmann an, dass er sich selbst mit der Identifikation schwer tut, die Geschichte wirkt manchmal etwas aufgesetzt nerdy, ähnlich dem Phänomen, wenn zweitklassige Werbetexter versuchen mit echt coolen Sprüchen am Start Jugendliche anzusprechen und dabei einfach nicht echt wirken. Egal, trotz fehlender Authentizität ist auch der Teil von einer gewissen Qualität, die das Buch als Gesamtwerk ausmacht, gut und lesenswert macht. Vielleicht muss ich mich doch mal an die Vermessung machen, obwohl mich die Story gar nicht reizt. Das nächste Kehlmann lese ich jedenfalls bestimmt.

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