Wir lieben Roadtrips, stundenlang im Auto sitzen, Landschaften an sich vorbei ziehen lassen, die Weite spüren, die Zeit, die nicht vergeht, alles ist plötzlich langsamer und nicht mehr so eng. Als New Yorker, die ja per se keine Autofahrer sind, bedeutet so ein Roadtrip echte Abwechslung. Das Gefühl im eigenen Fahrzeug zu sitzen hat man nach all den Jahren vergessen und der Frust der täglichen Staus, den kennen wir nicht. Jemand aus LA mag da nicht ins Schwärmen geraten, aber dazu kommen wir später.

Die erste Station ist Denver, hier fängt alles an. Im Landeanflug kann man bereits die Rocky Mountains erkennen, die abrupt zu beginnen erscheinen, am Ende einer ewig flachen Landschaft. Die Straßen unter uns sind auf dem Reißbrett gezogene Linien die jetzt immer öfter in eine Richtung zeigen, in Richtung der einzig großen Stadt weit und breit. Wir landen und nehmen den Bus zu Alamo, wo wir uns unser Auto abholen, ganz allein unseres für zwei Wochen. Wir haben Glück und bekommen ein Upgrade, einen nagelneuen Mittelklassewagen, einen weißen Dodge. Natürlich achten wir darauf, dass der Wagen XM Radio hat, Satellitenradio, das wir seit einsamen Nächten in den Adirondacks zu schätzen gelernt haben. Auf Ultrakurzwelle gibt es in den USA außerhalb der Großstädte auch nur Country und Western, das geht einfach nicht, zwei Wochen lang. Nachdem sich alle Insassen langsam mit dem etwas bewöhnungsbedürftigen Fahrzeug mit schießlukenartigen Fensteröffnungen angefreundet haben und die Grundbedürfnisse im nächstgelegenen WalMart befriedigt wurden, geht’s los nach Downtown. Dort gibt es nicht so viel zu sehen und so sind wir nach wenigen Stunden bereits in Boulder, am Fuße der Rockies. In dieser hübschen Hippiestadt nächtigen wir und beginnen am nächsten Tag unseren Trip so richtig.
Die Rocky Mountains können wir nur überfliegen, wir haben nicht genug Zeit so richtig in die Berge zu fahren. Aber die Landschaft ist auch hier fantastisch, wir machen viele Fotos, nicht ahnend, dass es noch Überwältigerendes zu dokumentieren gibt, auf dieser Reise. Wir steuern den Wagen in Richtung Utah, dem Mormonenstaat. Schnell noch ein paar Flaschen Wein in den Wagen gepackt und die Kühlbox aufgefüllt mit Bier, dann hinein in den Bibelstaat. Die Nacht verbringen wir im ersten Motel, am nächsten Morgen sehen wir dann Utah in seiner vollen Pracht. Entlang des Colorado Rivers schlängelt sich die Straße zum Arches Nationalpark, den wir am frühen Nachmittag erreichen.

Dort empfängt uns eine atemberaubende Kulisse von roten Steinformationen in einer kargen Umgebung, nie zuvor habe ich etwas Vergleichbares gesehen. Der Nationalpark ist gut organisiert, es gibt Straßen und geteerte Fußwege zu allen Attraktionen. Wir sind nicht alleine, aber es ist auch nicht wie in Disney World, irgendetwas dazwischen. Die Nacht nutzen wir dazu unsere neuerworbenen Daunenschlafsäcke zu testen. Es ist schon ziemlich kalt hier, wenn die Sonne untergegangen ist. Das Lagerfeuer vor unserem Zelt hält uns noch für einige Zeit warm, aber dann müssen wir uns von 1300 Gramm Hightechdaunen vor der Kälte der Nacht schützen lassen.

Ein neuer Tag, die Sonne lacht, wir auch. Dafür, dass wir das meiste im Fluggepäck mitgeschleppt haben, sind wir nicht schlecht ausgestattet, wir sehen halbwegs wie Camper aus. So gibt es Kaffee, auf dem Kocher gekocht, Müsli und Sandwiches. Das Zelt ist einigermaßen schnell wieder verstaut und der Roadtrip geht weiter. Unweit vom Arches Nationalpark gibt es einen kleineren State Park, Dead Horse Point. Da fahren wir hin und wandern entlang des Gipfelkammes, der links und rechts und an seinem Ende einen Blick über ganz Utah freigibt, so scheint es. Endlose Weiten, endloses Rot, endlose Schluchten, Täler und Erhebungen. Man möchte am liebsten seine Flügel spannen und losfliegen. Leider haben wir keine Flügel und außerdem müssen wir weiter, zum nächsten Wunder der Natur, das in Utah nie weit ist.

Im Wagen hören wir die Hits der 80er oder 90er, manchmal auch Rock oder aktuellen Pop. Wenn uns nicht nach Musik ist, dann stellen wir auf Talk Radio, NPR oder BBC. Hin und wieder nehmen wir an den politischen Diskussionen teil und führen das fort, was uns die Radiomoderatoren in den Mund gelegt haben. Hin und wieder halten wir auch an, geniessen die Landschaft, versuchen das Gesehene festzuhalten, was einfach nie so richtig gelingen will. Viel Zivilisation sehen wir nicht, hier dominieren eindeutig Steine, nicht Menschen, ein paar karge bodennah wachsende Buschpflanzen addieren Farbtupfer zu den dominierenden Schattierungen von Rot. Zwischendurch ändern sich die Felsformationen und ein, zwei Stunden lang begleiten uns weiße Kalksandsteine, die rundere und flachere Formen aufweisen. Der Kontrast zum knallblauen Himmel verschwindet nur gegen Ende des Tages, wenn der Sonnenuntergang nochmal das erlebte Farbspektrum Revue passieren lässt. Gegen Ende des Tages erreichen wir unseren dritten Park und checken in einer Hütte ein, in der ein Bett steht und ein Satellitenfernseher. Damit ist das Abendprogramm also klar.

Ende Teil 1

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