Der nächste Morgen wirft uns wieder Sonnenstrahlen vor die Füße und ins Gesicht. Wir stärken uns im Café neben der Tankstelle, die Einfahrt und Parkplatz mit einem Subway und kleinem Supermarkt teilen, was sowas wie das Dorfzentrum markiert. Fünf Meilen später befinden wir uns im Capitol Reef National Park, ein relativ kleiner und überschaulicher Nationalpark, den wir in nicht mal einer Stunden durchfahren haben. Wir machen unsere erste richtige Wanderung und laufen hoch auf die Spitze des Hügelkamms, wo sich nebst Ausblick auch eine Felsbogenformation befinden soll, die es zu bestaunen gilt. Wir laufen an einer Abzweigung fälschlicherweise vorbei, erkennen aber unseren Irrtum und finden bald die Attraktion dieser Route. Wir werden nicht entäuscht und können uns zufrieden an Abstieg und Abreise machen. Das nächste Ziel auf unserer Tour heißt Bryce Canyon Nationalpark, einer der beliebtesten und der vermeintlich Schönste. Auf halbem Weg dorthin schlägt das Wetter um und es fängt an zu Regnen. Dazu kommt noch, dass sich der Park auf deutlich höherer Höhe befindet, auf ca. 9000 Fuß, was in etwa 2750 Meter entspricht. Angekommen bauen wir schnell unser Zelt auf im parkeigenen Campingplatz, der glücklicherweise nicht so überfüllt ist, wie wir angenommen hatten. Nach einer relativ trockenen Pizza, die geschmacklich wenig von ihrer eigentlichen Heimat erahnen lässt, verbrennen wir noch einige Scheite Holz vor unserem Zelt, um Väterchen Frost auf Distanz zu halten. Das gelingt eher schlecht und so müssen die nagelneuen Marmot Schlafsäcke zum ersten mal beweisen, was der Hersteller mit 10 Grad Fahrenheit Komforttemperatur meint. Glücklicherweise wurden es nur 25 F, also 4 Grad unter Null, eine Temperatur die wohlige Wärme bis zur Halskrause ermöglicht.

Ein neuer Tag, neues Glück mit dem Wetter. Der Morgen ist frisch im Schatten und ganz annehmbar in der Sonne. Der Zeltplatz ist ein karger, mit wenigen Kiefern heimgesuchter Hügel, den die meisten Camper schon verlassen haben. Wir lassen den Tag wie immer gemächlich anfahren, sind schließlich im Urlaub. Wenig später sind wir dann unterwegs mit hunderten anderen, Alten und Jungen, Franzosen und Italienern, Texanern und anderen Menschen, die es gewohnt sind alles mit dem Auto zu machen. Die Wanderwege sind breit und hervorragend ausgebaut, das Wort Hiking mögen wir für das, was wir hier tun nicht gebrauchen. Aber dafür sind die Naturschönheiten hier so gewaltig, dass uns die Spucke weg bleibt. Solche Felsen, Schluchten und Berge, habe ich noch nie gesehen, wie hunderte Zinnen einer Burg in dicht aufeinanderfolgenden Reihen schlängeln sie sich durch die Gegend in intensivsten Orangerottönen, manchmal von hohen Fichten und Kiefern unterbrochen, so bizzar, dass man meinen möchte, man befände sich nicht auf diesem Planeten. Die Kontraste, die Geometrie der Umgebung bestechen so klar, dass auch die Spiegelreflexkamera keine Mühe hat, das Erlebte realitätsnah zu konservieren. Wir sind immer noch total geflasht, als wir nach einer weiteren kleinen Wanderung den Park verlassen und unser letztes Ziel in Utah ansteuern, den Zion Nationalpark.

Bryce Canyon und Zion trennen nur wenige Stunden und so bleibt heute kaum Zeit den Roadtrip richtig zu genießen. Ratz fatz sind wir da und finden auch im einzigen Dorf im Park einen annehmbaren Ort um unser Zelt aufzustellen. Die netten Menschen hier geben uns einen Platz am Fluss, mit einem schönen Blick in ein kleines Tal. Als Gegenleistung stecken wir ihnen ein paar grüne Scheine zu und werden dafür obendrein noch mit lustigen Münzen belohnt, die wir in der Dusche gegen Heißwasser umtauschen. Die Stimmung ist nach Warmwassertherapie und wegen der an sich viel entspannteren Außentemperatursituation ziemlich gut, das kostenlose WiFi setzt dann noch eins drauf. Als die letzten Scheite im Feuer knistern und Facebook einfach nichts mehr Neues hergeben will, wird es Zeit für`s Bett.

Ein letzter Tag in einem weiteren, gut durchorganisierten Park. Autos sind nicht erlaubt, ein Schuttlebus fährt uns herum. An mehreren Stationen steigen wir aus, laufen mal wenige Meter, mal einige Meilen, nehmen Fotos und essen Eiscreme. Eigentlich ist der Zion Nationalpark einer der schönsten des Landes aber scheinbar stumpft Schönheit auch ab, wir sind irgendwie gelangweilt, können uns nicht mehr so begeistern, wie vor einigen Tagen. Vielleicht ist es auch die Enttäuschung über die Art und Weise, wie wir das alles hier konsumieren, etwas nach dem Masse statt Klasse Prinzip. Wir hätten auch gerne einige Richtige Hikes gemacht, so mit Zelt und Schlafsack durch die Parks wandern. Aber dann hätten wir nur die Hälfte geschaft und bei Weitem nicht so viel gesehen. Egal, es ist wie es ist und wir machen uns langsam an die Rückreise, nicht nach Hause aber doch zurück in die Zivilisation.

Ende Teil 2

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