Im Mai war ich wieder da, ich kann's nicht lassen. Es war wieder ein Familienfest, das mich nach Erlangen führte, in meine Heimatstadt, wenn man so will. Hier bin ich aufgewachsen und habe die meiste Zeit meines Lebens verbracht, sechs Jahre war ich alt, als ich herkam, 28 als ich Erlangen verließ, ins ferne Fürth. Wenn man so lange nicht mehr hier war, dann macht sich ein wenig Nostalgie bemerkbar und man fängt an, die Schönheit der Stadt wahrzunehmen. Ein bisschen wie ein Tourist wandert man durch die Altstadt, die Hugenottenstadt, die sich geschäftig gibt an einem Samstag morgen. Die vielen Fahrräder fallen auf und die dazugehörigen Fahrradwege, von denen es hier so viele gibt. Die riesige Fußgängerzone, die sich endlos lang erstreckt, gesäumt vom mittelständischen Einzelhandel, dem es hier noch gut zu gehen scheint. Aber auch hier schon innerstädtische Malls, die die nationalen und internationalen Ketten beherbergen.

Unsere zweite Station ist Fürth. Die Innenstadt hat viel Charme, da der Großteil der Gebäude den Krieg überlebt hat, hier wurde wenig zerbombt, sogar die Wegweiser zu den Luftschutzräumen kann man noch vielenorts erkennen. Hier habe ich sechs Jahre lang gewohnt, ziemlich zentral. Jeden Tag bin ich zu Fuß in das Büro unserer kleinen Firma gelaufen, die Michl und ich hier vor zehn Jahren gegründet haben. Das war sehr angenehm, nur 8 Minuten zur Arbeit zu gehen und kein Verkehrsmittel zu benötigen. Hier, in der Maxstrasse hatten wir unser kleines braintransfer Office aufgemacht, mit Unterstützung von Udo und Sabine' GWA.

Nach einem Tag in der fränkischen Schweiz zeige ich Jamie dann noch das wunderschöne Nürnberg, mit der Vespa geht's hoch zur Burg und zu Fuß hinunter, über den Albrecht Dürer Platz, den Hauptmarkt und durch die Fußgängerzone, über die vielen kleinen Brücken, die die beiden Pegnitzufer miteinander verbinden. Ach ja, mein Nürnberg ist so schön, da kann ich meinen Studienkollegen verstehen, der hierher zurückgekehrt ist aus Zürich, weil die Noris für ihn der schönste Fleck der Welt ist.

Neben der fränkischen Metropolregion habe ich auch noch einen Abstecher nach Berlin gemacht. Obwohl ich hier nur selten bin, ist die Faszination jedes mal enorm. Berlin ist überwältigend, hier scheint man Geschichte auf jeden Schritt zu spüren, Altes und Neues lebt in einzigartiger Symbiose zusammen, so wie es eben nur in Berlin funktioniert. Kein Wunder, dass Berlin gerade in New York die angesagteste Stadt der Welt ist. Die einzige echte Alternative, in vielerlei Hinsicht. Vielleicht weil Berlin auch nicht schick ist und nicht nur mit Glanz und Glamour punktet, wie andere Metropole, sondern durch lebens- und liebenswerte Verkommenheit, das Abgefuckte, das ist letztlich das, was eine Stadt hip macht.

Auf dem Rückflug wählt der Pilot die Route über Long Island, man erkennt die großen Anwesen, die Pools und Golfplätze, den kilometerlangen Strand. Bei Coney Island zieht die Maschine nach links ab, um nach einer langen Kurve die Küstenlienie wieder zu überqueren und zur Landung anzusetzen. Beim Touchdown denke ich: "Schön wieder zuhause zu sein".

One thought on “Nachtrag zur Heimat

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