11te

Mit 18 hat man noch Träume, wird gesagt, ach die Jugend, wie unbekümmert sie ist, wie sorgenlos, ach wären wir nochmal so jung. Was waren wir damals bloß und was dachten wir würden wir einmal werden?

In der Grundschule wollte ich “Erfinder der Zukunft” werden. Die Lehrerin sagte, das gibt es nicht und petzte es meinen Eltern, die der Lehrerin recht gaben. Später wollte ich Förster werden, weil ich den Wald mochte, oder Lehrer, weil ich nicht älter werden wollte. Architekt wollte ich werden, wegen dem Aufkleber ‘Do it with an architect’, den fand ich cool, und wegen meines Opas, der Architekt war, den fand ich auch cool. Irgendwann fand ich Design toll, wollte Designer werden aber außer meinem Kunstlehrer glaubte keiner an mich, selbst ich nicht. Betriebswirt Diplom-Kaufmann bin ich dann geworden, auf dem Papier, ohne mich richtig damit zu identifizieren. Aber irgendwie ist was Wahres dran, irgendwie kommt wieder alles zusammen. Ich mache Marketing und Management, das kann ich einigermaßen nach 11 Jahren, ich arbeite in einer Designfirma mit Designern, die Architekten sind, wie viele meiner Freunde. Ich erfinde die Zukunft, jeden Tag ein Stück davon. Im Wald bin ich immer noch gerne und mit dem älter werden hab ich auch keine Probleme mehr, irgendwie kann man nicht immer 30 bleiben.

Das Foto oben habe ich neulich auf einer Webseite gefunden. Ich frage mich, was wohl all die anderen machen, was aus ihren Träumen geworden ist. Irgendwie erinnern mich diese alten Fotos an Breakfast Club, den legendären John Hughes Film. Die verschiedenen Gruppen von Schülern, die so kalt und rücksichtslos ihre Grabenkämpfe austrugen, diskriminierten und jede Chance nutzten um sich auf Kosten anderer in den Vordergrund drängen zu können um vermeintliche Anerkennung zu genießen. Die Popper, die Sportskanonen, die Punks, die Rocker und dann die Kellerkinder, die die Helden von heute sind, mit PhD und Doppeldoktor. Die sich lieber mit Assembler und Lötkolben beschäftigt haben als mit Suzuki und Lederjacke. Die Welt hat sich zu ihren Gunsten entwickelt und wenn sie es auch nicht so empfinden, eine gewisse Genugtuung ist nur gerecht, ein Ausgleich für die Anerkennungsdefizite zu Schulzeiten.

Alle haben ihren Weg irgendwie gemacht, Träume verwirklicht, Filme geschrieben oder Bücher, Firmen gegründet oder Familien. Nächstes Jahr sehe ich sie wieder, bei einem Klassentreffen, wenn alles gut geht und Alex (der im Foto hinter mir steht) wieder alles so gut organisiert. Dann kann ich ein Stückweit sehen, wohin die Träume diese Menschen gebracht hat und kann berichten, wenn jemand Interesse zeigt, wie es um die meinen steht.

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