last known location

Ich habe mein iPhone verloren und das Leben ist nicht mehr das, was es mal war. Bevor sich jetzt alle aufregen und mich für den Bescheuertsten aller Bescheuerten aller Zeiten halten, erkläre ich lieber mal warum.

Letztes Wochenende habe ich mein iPhone 4 verloren, im Taxi. Ich kann mich noch daran erinnern, es in meine Tasche gesteckt zu haben, weil der Akku fast alle war. Kurz darauf habe ich gezahlt und das Taxi verlassen. Wenige Minuten später, in meiner Wohnung, wollte ich mein Telefon laden und musste feststellen, dass es nicht mehr da war. Ich bin nochmal zurückgegangen an die Ecke, wo ich das Taxi verlassen hatte, aber vergebens – das iPhone war weg. Zum Glück hatte ich das Taxi mit Karte gezahlt und auf der Quittung stand die Taxinummer. Also habe ich gleich noch ein “Lost Item Claim” auf der 3-1-1 Webseite abgeschickt, hatte aber schon so ein Gefühl, dass das nicht sehr viel bringen würde. Um ganz sicher zu gehen, habe ich noch versucht bei der Hotline durchzukommen, ich muss allerdings irgendwann zwischen Minute 35 und 50 in der Warteschleife eingeschlafen sein.

Am nächsten Morgen war ich echt schlecht drauf. So langsam registrierte ich, dass es sich eventuell um das Ende meiner einjährigen, innigen Beziehung mit meinem iPhone 4 handeln würde. Sicher, so ein Gerät ist leicht zu ersetzen, der Schaden nur monetär (mein letztes Backup war vom Vortag). Dennoch schlägt eine Neuanschaffung ohne Vertrag mit ca. $750 zu Buche, eine Ausgabe, für die ich noch nicht bereit war. Also, ein letztes Aufbäumen gegen das Akzeptieren des Schicksals. Ich erinnerte mich, mein Telefon bei MobileMe registriert zu haben und so rief ich die FindMyPhone Seite auf und siehe da, mein Telefon war registriert, nur konnte es gerade nicht gefunden werden. Um sicher zu gehen, dass ich nichts verpasse schalte ich die Benachrichtigungsfunktion an. Natürlich bin ich ausgerechnet in dem Moment, in dem die wichtigste Nachricht dieses Vormittags in meiner Inbox auftaucht abgelenkt, erst 10 Minuten später sehe ich die Email und logge mich sofort wieder ein. Ein wenig zu spät, das Telefon ist nicht mehr eingeschaltet, aber die letzte Position ist zu erkennen. Mein iPhone ist 2 Blocks von meiner Wohnung aufgetaucht. Ich schicke erneut eine Nachricht auf das Handy, mit der Bitte an den “Finder” das Gerät gegen eine Belohnung zurückzugeben. Alles umsonst, niemand meldet sich und das Gerät taucht auch danach nie mehr auf. Ein kurzer Besuch des vermeintlichen Tatorts ergibt wenig konkrete Anhaltspunkte: ein grosses Mietshaus mit bestimmt 50 – 80 Einheiten. Ausserdem kann man die Ortung nicht genau ausmachen, es könnte sich auch um ein Auto gehandelt haben. In jedem Fall aussichtslos. Ich überlege kurz, mich mit einem großen Schild auf die Strasse zu stellen, mit der Aufforderung “Return my iPhone here! Thanks, the owner”, verwerfe meine Idee aber sofort, der Aufwand scheint in keinem Verhältnis zu stehen. Innerlich fange ich an mein Schicksal zu akzeptieren und eine außerordentliche Sofortabschreibung vorzunehmen. Ich stelle mich langsam auf die sozialen, wirtschaftlichen und emotionalen Folgen dieser neuen Tatsache ein.

Auch den nächsten Tag startete ich ohne Telefon. Nachdem ich kaum telefoniere ist das weniger schlimm. Tragischer ist, wenn man das Internet nicht mehr mit sich in der Hose trägt. Mittags holte ich dann eine neue SIM Karten und steckte sie in mein altes iPhone, ein 2G oder First Gen. Obwohl das einigermaßen gut geklappt hat, ist so ein 3 Jahre altes Gerät  unglaublich, ähm anders. Das Schlimmste ist, dass alles so langsam ist, dass man nichts mehr so verwendet, wie man es gewohnt war. Anstatt eines ständigen, allwissenden Begleiters, den man stets nach dem Weg oder Rat fragt, ist der neue digitale Freund eher ein Hindernis. Zum Glück musste ich nur ein paar Tage warten, bis ich ein iPhone 3 bekam, als Leihgabe, “for the time being”, wie man hier so schön sagt. Auch das merklich bessere iPhone 3 stößt oft ein seine Grenzen. Internet ist definitiv machbar, aber man merkt den Prozessor, der so 2008 ist. Das Schlimmste aber am fehlenden iPhone 4, musste ich feststellen, ist die Nichtexistenz der eingebauten Kamera. Ich hatte mittlerweile point-and-shoot mäßig komplett auf das iPhone umgestellt und hervorragende Fotos damit geschossen. Die Kameras in iPhone 2 / 3 sind ok, aber reichen dem iPhone 4 bei Weitem nicht das Wasser. Ähnlich seltsam ist es auch wieder mit einem “Nicht-Retina” Display zu arbeiten. Die Auflösung, obwohl durchaus größtenteils noch Standard, ist vergleichsweise lausig.

Downgraden ist schon eine Last, aber zum Glück verdichten sich die Gerüchte um das iPhone 5 und bis September sind es ja nur noch vier Wochen. Dann hab ich endlich wieder eine gute Kamera.

 

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *