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Thanksgiving: ein Nachruf

Das größte Fest der Amerikaner, ich berichtete bereits, ist Thanksgiving, eine Art Erntedankfest auf Steroid, wie man hier sagen würde. Es findet immer an einem Donnerstag statt, dem letzten im November, gefolgt vom sogenannten Black Friday, ein ebenfalls gigantischer Feiertag für den Einzelhandel, der Auftakt des vorweihnachtlichen Konsumrausches. Aber Thanksgiving selbst hat auch etwas Beschauliches, ein Tag, den viele im Kreise ihrer Freunde und Familien verbringen, oftmals der einzige Tag im Jahr, an dem man Zeit hat für einander, für Gespräche oder Klatsch, für die kleinen und großen Dinge im Leben. Dabei wird gegessen, viel und gut. Die Tradition will es, dass Millionen von Truthähnen an diesem Tag durch die Mägen der Amerikaner wandern, zusammen mit Mashed Potatoes (Kartoffelpüree), Collard Greens (Grünkohl), Brussel Sprouts (Rosenkohl) und anderen Köstlichkeiten.

Das dritte Jahr schon beteilige ich mich aktiv und zelebriere diesen schönen Feiertag. Im ersten Jahr hatte ich mir einen 18 Pfünder vorgenommen und 8 Beilagen. Ich verbrachte 10 Stunden in der Küche, die Gäste waren begeistert aber ich war ziemlich erschöpft und nacher war mehr übrig als vorher. Das Jahr drauf gab’s dann nur noch einen 10 Pfünder und ich halbierte die Anzahl der Beilagen. Das war viel besser, das Essen wurde zu 80% aufgegessen und ich war noch frisch genug das Ganze zu genießen. Dieses Jahr haben wir ein Potluck daraus gemacht, also ein “Jeder bringt was mit” Essen. Das hat ganz toll geklappt, alle meine Freunde haben leckere Beilagen und Nachtische beigesteuert, ich den Vogel und noch ein paar Klassiker, ohne die es einfach nicht geht. Im kleinen Kreis mit 9 Leuten haben wir bei Leckereien, Wein und Schnapps einen herrlichen Abend verbracht und über die kleinen und großen Ereignisse in unserem Leben seniert. Schön war’s – ich freu’ mich schon auf’s nächste Jahr.

Roadtrip durch den Südwesten: Teil 3

Wenige Stunden nach dem letzten Park überqueren wir die Grenze nach Nevada und fahren hinab in das Tal des Lasters. In der frühen Abenddämmerung kann man vom ganzen Ausmaß Las Vegas’ noch nicht viel erahnen, aber als wir dem Zentrum näher kommen, setzt die Dunkelheit ein und die Neonstadt erstrahlt zu einem surrealen Mix aus Pomposität und Verfall. Auf Empfehlung eines Roadtrip-erprobten Freundes hin checken wir ein ins Holiday Motel, einer heruntergekommenen Spelunke, die dafür aber billig ist und direkt am Strip. Klar müssen wir auch den Klassiker mitmachen und gehen in ein Casino um dort am verbilligten Buffet abendzuessen: $9 all you can eat. Mahlzeit! Danach machen wir uns auf den Weg und laufen den Strip ab, wir schaffen es bis zum Canale Grande, auf dem gerade die letzten Gondeln durch das für Venedig ungewöhnlich saubere Wasser gleiten. Paris und New York schaffen wir nicht mehr, aber wenigstens haben wir ein paar Piratenschiffe gesehen, samt Besatzung, die mit einer Art Musicaldarbietung Menschen mit extremen Kulturdefiziten ein paar Minuten fesseln konnten. Unsere innere Uhr ist noch auf den Rhythmus der Natur eingestellt und so müssen wir zurück ins Hotel und ab ins Bett. Wir nutzen den nächsten Tag um allerlei Kuriositäten der Stadt Las Vegas zu entdecken, eine überdachte Fußgängerzone zum Beispiel, voller betrunkener Kreaturen, die vom Spielen nicht mehr wegkommen. Wir stillen auch unseren Defizit an asiatischer Kost mit japanischem Ramen bevor wir wieder der Straße gehören, dem Freeway nach California, dem letzten Abschnitt unserer Reise.

Die Autobahn steuert kerzengrade Richtung Südwesten. Etwa 20 Meilen außerhalb der Stadt durchqueren wir noch einmal einen kleinen Casino-Außenposten, der uns mit günstigen Hotelangeboten fast von der Straße gezogen hätte. Aber ich kann noch fahren, ein paar Meilen können wir noch gutmachen und so geht die Reise weiter. Schon bald verlassen wir den Staat Nevada und erreichen Kalifornien. Die Landschaft scheint sich hier zu ändern, genau aber kann man es nicht ausmachen, es ist einfach zu dunkel. Wir fahren einmal kurz ab und checken ein paar Motelpreise aber wir haben Pech, alles viel zu teuer. Gegen 11 Uhr nachts geht’s dann nicht mehr und wir fahren erneut ab. Diesmal haben wir Glück: in Barstow ist das Angebot groß und die Preise daher niedrig. Wir checken ein in ein Motel 6, ohnehin eine eher günstige Motelkette. Das Zimmer ist steril aber neu und sauber, Kabelfernseher mit Fernbedienung inklusive. Wir chillen noch eine Weile und schlafen bald tief und fest, nach Tagen mal wieder in einem richtigen Bett.

Die Weiterreise am nächsten Morgen beginnt mit einem all-American Breakfast bei iHop. Auf der Karte kein Gericht unter 800 Kalorien, die meisten Menschen um uns herum nehmen in etwas das eineinhalbfache des Tagesbedarfs an Kalorien zum Frühstück auf. Wir bestellen je 2 Spiegeleier mit ein paar Pancakes an der Seite, das muss reichen. Gut gestärkt machen wir uns an die letzten paar hundert Meilen runter nach San Diego. Der Verkehr nimmt immer stärker zu, je weiter man gen Westen stößt. Man kann das Schwarze Loch, die Stadt der Engel irgendwie erahnen, aber wir schlittern noch einmal daran vorbei. Kaum haben wir es bis in den Süden geschafft, erhalten wir einen Anruf und fahren kurz darauf wieder gen Norden, zurück nach LA (oder wenigstens in den Großraum) um uns mit Freunden und Verwandten zu treffen. Zeitgleich wird das Wetter auch immer schlechter und wir nutzen die Gelegenheit, bei der Familie unterzukommen und nisten uns für zwei Tage hier ein. Bei Wolken und Regen mag keine echte Kalifornienstimmung aufkommen und so sind wir froh, dass wir einfach Fernschauen und ins Internet können, schließlich sind wir im Urlaub und alles ist erlaubt, was uns entspannt. Natürlich fahren wir auch mal in die Stadt und schauen uns alles an. Downtown LA ist eigentlich ganz interessant. Ein wenig heruntergekommen, wie die meisten amerikanischen Innenstädte, aber irgendwie mit einem gewissen Charme. Sehr multi-kulti und vor Allem mit hervorragenden Restaurants übersät. Wir essen Taiwanisch, Koreanisch und Japanisch, einer New Yorker Version der gleichen Küche ist man hier meilenweit vorraus.

Alles hat ein Ende, so auch Kabelfernsehen und Schlechtwetter. Am dritten Tag können wir uns endlich aufmachen und fahren zurück nach San Diego. Die Stadt ist ziemlich schnell erfasst und wir checken schon am frühen Abend ein, in einem neuen Campingplatz, direkt am Meer in Cardiff by the Sea. Für einen State Park sind $50 pro Nacht recht prall, dafür wird man belohnt mit einem spektakulären Blick auf den Pazifik, raue Wasser, schroffer Fels, ein wenig Sand, alles direkt vor unserem Zelt. Ein Strandurlaub wird es dennoch nicht, auch die nächsten Tage sind eher mäßig, viel Wolken, ein strammer Wind, toll zum Surfen, schlecht um einfach relaxed am Strand abzuhängen.

Gerade als die Sonne wieder richtig raus kommen will, müssen wir los, wieder zurück nach LA, am nächsten Tag geht der Flieger nach New York. Wir genießen noch einen sonnigen Vormittag hier an der Küste und hängen wenigstens noch die Füße ins kalte Pazifikwasser. Dann nehmen wir den Freeway nach Norden. Schon auf den ersten Meilen geraten wir in den ersten Stau, aus dem wir nicht mehr richtig raus kommen. Ganz Südkalifornien ist ein einziger Stau, der Großraum LA ist total verstopft, jeden Tag, Tag ein Tag aus, immer, und wir sind mittendrin. Erst vier Stunden später kommen wir bei unseren Freunden an, mit denen wir unseren letzten Abend verbringen. Wieder einmal sind wir erstaunt über das hervorragende Essen hier in der Stadt und den grässlichen Verkehr. Für die 8 Meilen zum Aufwärmbier brauchen wir eineinhalb Stunden – im Auto versteht sich, eine Zeit die ambitionierte Nordik-Walker leicht schlagen. Dafür werden wir später mit einem Weltklasse Korean Barbeque belohnt, das das hohe Niveau, das wir hier in New York gewohnt sind, locker übertrumpft.

Erschöpft vom Genuss hochprozentiger Brandtweine auf Reisbasis vom Vortag, machen wir uns auf zum Flughafen nach Inglewood. Wir geben unseren weißen Dodge ab, der uns 2400 Meilen durch den Südwesten Amerikas gefahren hat, ohne zu murren. Wir steigen in den Flieger und es geht los Richtung Osten. An diesem klaren Tag sieht man während des gesamten Fluges unter einem die wechselnden Landschaften Amerikas vorbeiziehen und erlebt so einige Déjà Vus, die Utah und Colorado noch einmal in’s Gedächnis rufen. Wenige Stunden später sehen wir die Lichter der Stadt, die niemals schläft, auch heute nicht. Heute, so scheint es, will sie uns willkommen heißen, nach zwei Wochen freut sie sich, uns zurück zu haben. Wir freuen uns auch, New York, es ist schön wieder hier zu sein.

Roadtrip durch den Südwesten: Teil 2

Der nächste Morgen wirft uns wieder Sonnenstrahlen vor die Füße und ins Gesicht. Wir stärken uns im Café neben der Tankstelle, die Einfahrt und Parkplatz mit einem Subway und kleinem Supermarkt teilen, was sowas wie das Dorfzentrum markiert. Fünf Meilen später befinden wir uns im Capitol Reef National Park, ein relativ kleiner und überschaulicher Nationalpark, den wir in nicht mal einer Stunden durchfahren haben. Wir machen unsere erste richtige Wanderung und laufen hoch auf die Spitze des Hügelkamms, wo sich nebst Ausblick auch eine Felsbogenformation befinden soll, die es zu bestaunen gilt. Wir laufen an einer Abzweigung fälschlicherweise vorbei, erkennen aber unseren Irrtum und finden bald die Attraktion dieser Route. Wir werden nicht entäuscht und können uns zufrieden an Abstieg und Abreise machen. Das nächste Ziel auf unserer Tour heißt Bryce Canyon Nationalpark, einer der beliebtesten und der vermeintlich Schönste. Auf halbem Weg dorthin schlägt das Wetter um und es fängt an zu Regnen. Dazu kommt noch, dass sich der Park auf deutlich höherer Höhe befindet, auf ca. 9000 Fuß, was in etwa 2750 Meter entspricht. Angekommen bauen wir schnell unser Zelt auf im parkeigenen Campingplatz, der glücklicherweise nicht so überfüllt ist, wie wir angenommen hatten. Nach einer relativ trockenen Pizza, die geschmacklich wenig von ihrer eigentlichen Heimat erahnen lässt, verbrennen wir noch einige Scheite Holz vor unserem Zelt, um Väterchen Frost auf Distanz zu halten. Das gelingt eher schlecht und so müssen die nagelneuen Marmot Schlafsäcke zum ersten mal beweisen, was der Hersteller mit 10 Grad Fahrenheit Komforttemperatur meint. Glücklicherweise wurden es nur 25 F, also 4 Grad unter Null, eine Temperatur die wohlige Wärme bis zur Halskrause ermöglicht.

Ein neuer Tag, neues Glück mit dem Wetter. Der Morgen ist frisch im Schatten und ganz annehmbar in der Sonne. Der Zeltplatz ist ein karger, mit wenigen Kiefern heimgesuchter Hügel, den die meisten Camper schon verlassen haben. Wir lassen den Tag wie immer gemächlich anfahren, sind schließlich im Urlaub. Wenig später sind wir dann unterwegs mit hunderten anderen, Alten und Jungen, Franzosen und Italienern, Texanern und anderen Menschen, die es gewohnt sind alles mit dem Auto zu machen. Die Wanderwege sind breit und hervorragend ausgebaut, das Wort Hiking mögen wir für das, was wir hier tun nicht gebrauchen. Aber dafür sind die Naturschönheiten hier so gewaltig, dass uns die Spucke weg bleibt. Solche Felsen, Schluchten und Berge, habe ich noch nie gesehen, wie hunderte Zinnen einer Burg in dicht aufeinanderfolgenden Reihen schlängeln sie sich durch die Gegend in intensivsten Orangerottönen, manchmal von hohen Fichten und Kiefern unterbrochen, so bizzar, dass man meinen möchte, man befände sich nicht auf diesem Planeten. Die Kontraste, die Geometrie der Umgebung bestechen so klar, dass auch die Spiegelreflexkamera keine Mühe hat, das Erlebte realitätsnah zu konservieren. Wir sind immer noch total geflasht, als wir nach einer weiteren kleinen Wanderung den Park verlassen und unser letztes Ziel in Utah ansteuern, den Zion Nationalpark.

Bryce Canyon und Zion trennen nur wenige Stunden und so bleibt heute kaum Zeit den Roadtrip richtig zu genießen. Ratz fatz sind wir da und finden auch im einzigen Dorf im Park einen annehmbaren Ort um unser Zelt aufzustellen. Die netten Menschen hier geben uns einen Platz am Fluss, mit einem schönen Blick in ein kleines Tal. Als Gegenleistung stecken wir ihnen ein paar grüne Scheine zu und werden dafür obendrein noch mit lustigen Münzen belohnt, die wir in der Dusche gegen Heißwasser umtauschen. Die Stimmung ist nach Warmwassertherapie und wegen der an sich viel entspannteren Außentemperatursituation ziemlich gut, das kostenlose WiFi setzt dann noch eins drauf. Als die letzten Scheite im Feuer knistern und Facebook einfach nichts mehr Neues hergeben will, wird es Zeit für`s Bett.

Ein letzter Tag in einem weiteren, gut durchorganisierten Park. Autos sind nicht erlaubt, ein Schuttlebus fährt uns herum. An mehreren Stationen steigen wir aus, laufen mal wenige Meter, mal einige Meilen, nehmen Fotos und essen Eiscreme. Eigentlich ist der Zion Nationalpark einer der schönsten des Landes aber scheinbar stumpft Schönheit auch ab, wir sind irgendwie gelangweilt, können uns nicht mehr so begeistern, wie vor einigen Tagen. Vielleicht ist es auch die Enttäuschung über die Art und Weise, wie wir das alles hier konsumieren, etwas nach dem Masse statt Klasse Prinzip. Wir hätten auch gerne einige Richtige Hikes gemacht, so mit Zelt und Schlafsack durch die Parks wandern. Aber dann hätten wir nur die Hälfte geschaft und bei Weitem nicht so viel gesehen. Egal, es ist wie es ist und wir machen uns langsam an die Rückreise, nicht nach Hause aber doch zurück in die Zivilisation.

Ende Teil 2

Roadtrip durch den Südwesten: Teil 1

Wir lieben Roadtrips, stundenlang im Auto sitzen, Landschaften an sich vorbei ziehen lassen, die Weite spüren, die Zeit, die nicht vergeht, alles ist plötzlich langsamer und nicht mehr so eng. Als New Yorker, die ja per se keine Autofahrer sind, bedeutet so ein Roadtrip echte Abwechslung. Das Gefühl im eigenen Fahrzeug zu sitzen hat man nach all den Jahren vergessen und der Frust der täglichen Staus, den kennen wir nicht. Jemand aus LA mag da nicht ins Schwärmen geraten, aber dazu kommen wir später.

Die erste Station ist Denver, hier fängt alles an. Im Landeanflug kann man bereits die Rocky Mountains erkennen, die abrupt zu beginnen erscheinen, am Ende einer ewig flachen Landschaft. Die Straßen unter uns sind auf dem Reißbrett gezogene Linien die jetzt immer öfter in eine Richtung zeigen, in Richtung der einzig großen Stadt weit und breit. Wir landen und nehmen den Bus zu Alamo, wo wir uns unser Auto abholen, ganz allein unseres für zwei Wochen. Wir haben Glück und bekommen ein Upgrade, einen nagelneuen Mittelklassewagen, einen weißen Dodge. Natürlich achten wir darauf, dass der Wagen XM Radio hat, Satellitenradio, das wir seit einsamen Nächten in den Adirondacks zu schätzen gelernt haben. Auf Ultrakurzwelle gibt es in den USA außerhalb der Großstädte auch nur Country und Western, das geht einfach nicht, zwei Wochen lang. Nachdem sich alle Insassen langsam mit dem etwas bewöhnungsbedürftigen Fahrzeug mit schießlukenartigen Fensteröffnungen angefreundet haben und die Grundbedürfnisse im nächstgelegenen WalMart befriedigt wurden, geht’s los nach Downtown. Dort gibt es nicht so viel zu sehen und so sind wir nach wenigen Stunden bereits in Boulder, am Fuße der Rockies. In dieser hübschen Hippiestadt nächtigen wir und beginnen am nächsten Tag unseren Trip so richtig.
Die Rocky Mountains können wir nur überfliegen, wir haben nicht genug Zeit so richtig in die Berge zu fahren. Aber die Landschaft ist auch hier fantastisch, wir machen viele Fotos, nicht ahnend, dass es noch Überwältigerendes zu dokumentieren gibt, auf dieser Reise. Wir steuern den Wagen in Richtung Utah, dem Mormonenstaat. Schnell noch ein paar Flaschen Wein in den Wagen gepackt und die Kühlbox aufgefüllt mit Bier, dann hinein in den Bibelstaat. Die Nacht verbringen wir im ersten Motel, am nächsten Morgen sehen wir dann Utah in seiner vollen Pracht. Entlang des Colorado Rivers schlängelt sich die Straße zum Arches Nationalpark, den wir am frühen Nachmittag erreichen.

Dort empfängt uns eine atemberaubende Kulisse von roten Steinformationen in einer kargen Umgebung, nie zuvor habe ich etwas Vergleichbares gesehen. Der Nationalpark ist gut organisiert, es gibt Straßen und geteerte Fußwege zu allen Attraktionen. Wir sind nicht alleine, aber es ist auch nicht wie in Disney World, irgendetwas dazwischen. Die Nacht nutzen wir dazu unsere neuerworbenen Daunenschlafsäcke zu testen. Es ist schon ziemlich kalt hier, wenn die Sonne untergegangen ist. Das Lagerfeuer vor unserem Zelt hält uns noch für einige Zeit warm, aber dann müssen wir uns von 1300 Gramm Hightechdaunen vor der Kälte der Nacht schützen lassen.

Ein neuer Tag, die Sonne lacht, wir auch. Dafür, dass wir das meiste im Fluggepäck mitgeschleppt haben, sind wir nicht schlecht ausgestattet, wir sehen halbwegs wie Camper aus. So gibt es Kaffee, auf dem Kocher gekocht, Müsli und Sandwiches. Das Zelt ist einigermaßen schnell wieder verstaut und der Roadtrip geht weiter. Unweit vom Arches Nationalpark gibt es einen kleineren State Park, Dead Horse Point. Da fahren wir hin und wandern entlang des Gipfelkammes, der links und rechts und an seinem Ende einen Blick über ganz Utah freigibt, so scheint es. Endlose Weiten, endloses Rot, endlose Schluchten, Täler und Erhebungen. Man möchte am liebsten seine Flügel spannen und losfliegen. Leider haben wir keine Flügel und außerdem müssen wir weiter, zum nächsten Wunder der Natur, das in Utah nie weit ist.

Im Wagen hören wir die Hits der 80er oder 90er, manchmal auch Rock oder aktuellen Pop. Wenn uns nicht nach Musik ist, dann stellen wir auf Talk Radio, NPR oder BBC. Hin und wieder nehmen wir an den politischen Diskussionen teil und führen das fort, was uns die Radiomoderatoren in den Mund gelegt haben. Hin und wieder halten wir auch an, geniessen die Landschaft, versuchen das Gesehene festzuhalten, was einfach nie so richtig gelingen will. Viel Zivilisation sehen wir nicht, hier dominieren eindeutig Steine, nicht Menschen, ein paar karge bodennah wachsende Buschpflanzen addieren Farbtupfer zu den dominierenden Schattierungen von Rot. Zwischendurch ändern sich die Felsformationen und ein, zwei Stunden lang begleiten uns weiße Kalksandsteine, die rundere und flachere Formen aufweisen. Der Kontrast zum knallblauen Himmel verschwindet nur gegen Ende des Tages, wenn der Sonnenuntergang nochmal das erlebte Farbspektrum Revue passieren lässt. Gegen Ende des Tages erreichen wir unseren dritten Park und checken in einer Hütte ein, in der ein Bett steht und ein Satellitenfernseher. Damit ist das Abendprogramm also klar.

Ende Teil 1

Roadtrip Preview

Mann auf dem Mond

moon

Vor 40 Jahren schossen die Amerikaner den ersten Mann auf den Mond. Das war vermutlich total spannend, das live auf Twitter mitzuerleben. Ah, Moment, Twitter gab’s ja noch nicht und auch kein Internet, nicht mal eine Liveübertragung im Fernsehen, oder nur für wenige. Umso besser, dass man jetzt nochmal mitfiebern kann. Die John F. Kennedy Presidential Library & Museum hat eine Seite im Netz, auf der der gesamte Verlauf des Unternehmens Mondlandung in Echtzeit nachgespielt wird, inklusive den Funksprüchen in Audio und Twitterprotokoll.

Trip nach Newport

Kirche im Licht

Wir lieben Roadtrips, endlos lange Highways entlangfahren, an Raststätten halten, Fastfood essen, das Land entdecken und die Leute, mal raus kommen aus der Stadt, aus der Enge, Weite genießen mal, ab und zu. Dieses Mal geht’s nach Newport, Rhode Island. Die Reise beginnt bei mir in Brooklyn und wir nehmen den BQE northbound, durch Brooklyn, Queens, die Bronx, Westchester County, lange durch Connecticut bis wir schließlich die lange Brücke hinab fahren und Newport vor uns liegt. Wir checken ein in unser tolles Hotel, dem Anlass entsprechend etwas Besonderes, mit mehreren Zimmern, eine richtige Suite in der Mill, einer alten Mühle, die relativ stilvoll modernisiert wurde. Auf dem

Weg haben wir noch viel Zeit vertrödelt, mussten noch in einer Outlet Mall halten und so wird jetzt die Zeit knapp und wir müssen uns beeilen, um noch etwas von Newport bei Tageslicht zu sehen. Also los, wir laufen im Zickzack runter zum Wasser, vorbei an alten Häusern, wirklich alten Häusern, viele aus dem 18ten Jahrhundert und alle toll erhalten. Der Hafen, wenn man die paar Kais hier so nennen kann, erscheint eher verschlafen zu dieser Jahreszeit, die Schickeria, die in Newport im Sommer ihre Jachten ankert ist noch nicht da und man merkt, dass der Wohlstand im Winterschlaf ist. Trotzdem hüllt das Funkeln der untergehenden Sonne im ruhigen Wasser der Bucht die ganze Szene in eine irgendwie erhabene Stimmung, ich fühle mich wie der Sohn eines Großindustriellen zur vorletzten

Jahrhundertwende, dem das hier irgendwann einmal alles gehören wird…
Die Sonne geht bald unter und uns ist kalt, wir machen uns auf den Weg zurück. Im Hotel genießen wir die dortigen Annehmlichkeiten, holen uns Tee und Snacks und flacken uns auf die Couch, lesen, schauen fern. Der Tag klingt aus mit einem leckeren Seafood Dinner, das muss ja sein, hier gibt es an jeder Ecke leckere Fischrestaurants.
Newport zog schon lange bevor sie im Sommer auf ihren Jachten kamen die Reichen und Mächtigen des Landes an und so haben sich hier viele der einflussreichsten Familien Amerikas mit schlossartigen Villen verewigt. Die wollen wir uns noch anschauen am nächsten Morgen, aber die teure und lange dauernde Führung schreckt uns etwas ab und so betrachten wir die Mansions nur von außen. Mit diesen letzten Eindrücken gehen unsere 20 Stunden in Newport zu Ende und wir treten die Heimreise an, zurück nach New York.

The 44th President

44th PresidentJust found this and thought it’s beautiful!

via Patrick Moberg

Die Nacht, in der wir Geschichte machten!

credit: Jason Kottge, kottge.org

Obama ist Präsident! Endlich. Nach monatelanger Medienschlacht, die grösser und präsenter war als jemals zuvor, wurden wir vorgestern Nacht endlich befreit von 8 Jahren republikanischen Wahnsinns. Yes we can war der Leitspruch der Obama-Bewegung und wurde in den USA zu einem der grössten Slogans aller Zeiten. Hohe dreistellige Millionenbeträge hat es gekostet aber jeder Cent war es wert.

Hier in New York hat man zeitweise gedacht, es gäbe nur einen Kandidaten. So war die Wahl hier auch schon sichere Sache, in der Bronx gingen knapp 89% der Stimmen an Obama, ein Ergebnis, von dem selbst Einparteiensysteme nur träumen können! Selbst konservative “weiße” Mittelschicht Staaten haben den Republikanern diesmal eine klare Absage erteilt. Die Medien feiern den Einzug des ersten farbigen Präsidenten ins Weiße Haus als endgültige Überwindung von Rassenunterschieden.

Die Republikaner sind am Ende. Ihr anfangs brillant anmutender Schachzug, eine Frau als Vize zu nominieren ging komplett in die Hose. Niemand wurde mehr verspottet und kritisiert als Sarah Palin, Gouverneurin von Alaska. Die Comedy Sendung “Saturday Night Live” hatte mit ihren Palin Karikaturen, gespielt von Tina Fey, mitunter Einschaltquoten wie sonst nur zur besten Baseballzeit. Medienanalytiker behaupteten sogar, SNL hätte Einfluss auf den Ausgang der Wahl gehabt.

Jetzt hat der Wahnsinn erstmal ein Ende und der politische Alltag muss ab 20. Januar zeigen, ob Obama halten kann, was er versprochen hat. Wir hoffen alle und rufen uns immer wieder ins Gedaechnis: Yes we can!

Kurzurlaub

Für ein paar Tage sind wir nach Fire Island gefahren, ein Kurzurlaub, der sich irgendwie recht kurzfristig ergeben hatte. Mein Arbeitskollege hatte das Haus günstig ergattert und so fuhren wir schon Mittwoch Abend hin um Donnerstag und Freitag quasi vom Strand aus zu arbeiten. Hat auch ganz gut geklappt, Internet gab's nur kein Netz. Egal. Übers Wochenende kam dann auch Jamie und wir verbrachten ein paar relaxte Tage am Meer und in unserem kleinen Häuschen. Das Wasser war mir natürlich zu kalt, nichts für Warmduscher.

Cherry Grove ist ein super schönes kleines Örtchen, mit ebensowenig Strassen wie gemischtgeschlechtlichen Pärchen. Ein wenig südlicher erstreckt sich der Sunken Forest, gefolgt von einer Siedlung freistehender Sommerhäuser der Kategorie "Papa hat's geschaft". Von Zaun und Tor getrennt folgt dann ein weiterer Ort, mit erfreulich gemischtem Publikum, das allerdings unerfreulich laut sein kann. Hier haben wir den letzten Abend bei Freunden verbracht, die aus den mühsam auf die Insel geschleppten Lebensmittel kulinarische Köstlichkeiten gezaubert haben, dazu gab's Wein, der war lecker. Zu lecker, wie ich am nächsten Tag feststellte.

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