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Grillfest

Typisch Deutsch, so ein Grillfest im Hinterhof. Frauen und Männer sitzen an Biertischgarnituren und sinniere über Arbeit, Uni, das Leben im Allgemeinen und das andere Geschlecht im Speziellen. Dazu gibt’s das, was sie am besten können, die Deutschen: Bier und Bratwurst. Manchmal aufgelockert von so neumodischem Zeug wie Putenbrust in Chilimarinade, ist so ein Grillabend in Franken herrlich konservativ, im Sinne von “Das haben wir immer schon so g’macht”. Drei im Weckla sind halt durch nichts zu ersetzen. So geht er dahin, der Abend, das Championsleaguespiel auf dem Fernseher im Eck wird kaum wahrgenommen, die braunen Augen der Hunde blinzeln, schauen treudoof jeden an, wie die Männer der Runde. Sie wollen Wurst, die Hunde, nicht die Männer, die wollen meist etwas anderes, aber besser nicht mehr heute. Ach, schön ist so ein Grillabend, mit Freunden, in einem Hinterhof in Nürnberg im Mai.

Besucher

die da

Als ich noch Besucher war in New York und kein Legal Alien, da kam ich immer im Sommer, oder in einer milden Übergangsjahreszeit. Meine letzten Besucher haben sich einen recht kalten Herbst ausgesucht, was uns nicht davon abgehalten hat, mit ihnen die Stadt zu erkunden. Das ist immer das tolle an Besuchern, man kommt selbst auch viel rum beim New York’s beste Ecken zeigen und merkt dann wieder, wie schön das hier alles ist und warum man eigentlich hier her gekommen ist. Besonders nett ist es, wenn es Besucher gibt, die noch nie hier waren, dann kann man quasi nichts falsch machen, da gibt’s immer irgendwas Neues und Aufregendes.

Besucher aus BilbaoMit Goiatz und Bernd haben wir das Hardcore-Lauf-Programm durchgezogen: von Brooklyn Heights nach DUMBO, über die Brooklyn Bridge nach Manhattan, weiter nach Chinatown und die Bowery hoch nach SoHo und schließlich noch Time Square. Ja, da waren wir dann mal richtig platt am Abend.

Marco aus Nürnberg hatte mehr den Drang Land und Leute kennenzulernen, die Brücke nach Brooklyn hat er dann ohne uns gemacht. Dafür haben wir ihn mit auf jede Party geschleppt, die wir auftreiben konnten in einer guten Woche. Da waren ganz nette Sachen dabei, Jazzanova zum Beispiel.

Wichtig bei Besuchern ist natürlich immer, New York kulinarisch richtig zu positionieren. Hier gibt es alles, das heißt für uns meistens vor Allem alles Asiatische. So waren wir dann auch mit unseren Besuchern Koreanisches BBQ essen, beim Lieblingsjapaner, dem Geido, Malayisch, Dim Sum und so weiter, volle Breitseite eben. Klar, Burger hat’s auch mal gegeben, im Le Parker Meridien natürlich, wo sonst (das Florent hat ja zu).

Ja schade, dass sie alle wieder weg sind. Marco kommt ja hoffentlich bald öfter, im Auftrag des Lehrstuhls, das würde mich freuen. Wir mussten ja leider noch ein paar echt gute Restaurants auslassen, die wir unbedingt noch vorstellen wollen.

Nachtrag zur Heimat

Im Mai war ich wieder da, ich kann's nicht lassen. Es war wieder ein Familienfest, das mich nach Erlangen führte, in meine Heimatstadt, wenn man so will. Hier bin ich aufgewachsen und habe die meiste Zeit meines Lebens verbracht, sechs Jahre war ich alt, als ich herkam, 28 als ich Erlangen verließ, ins ferne Fürth. Wenn man so lange nicht mehr hier war, dann macht sich ein wenig Nostalgie bemerkbar und man fängt an, die Schönheit der Stadt wahrzunehmen. Ein bisschen wie ein Tourist wandert man durch die Altstadt, die Hugenottenstadt, die sich geschäftig gibt an einem Samstag morgen. Die vielen Fahrräder fallen auf und die dazugehörigen Fahrradwege, von denen es hier so viele gibt. Die riesige Fußgängerzone, die sich endlos lang erstreckt, gesäumt vom mittelständischen Einzelhandel, dem es hier noch gut zu gehen scheint. Aber auch hier schon innerstädtische Malls, die die nationalen und internationalen Ketten beherbergen.

Unsere zweite Station ist Fürth. Die Innenstadt hat viel Charme, da der Großteil der Gebäude den Krieg überlebt hat, hier wurde wenig zerbombt, sogar die Wegweiser zu den Luftschutzräumen kann man noch vielenorts erkennen. Hier habe ich sechs Jahre lang gewohnt, ziemlich zentral. Jeden Tag bin ich zu Fuß in das Büro unserer kleinen Firma gelaufen, die Michl und ich hier vor zehn Jahren gegründet haben. Das war sehr angenehm, nur 8 Minuten zur Arbeit zu gehen und kein Verkehrsmittel zu benötigen. Hier, in der Maxstrasse hatten wir unser kleines braintransfer Office aufgemacht, mit Unterstützung von Udo und Sabine' GWA.

Nach einem Tag in der fränkischen Schweiz zeige ich Jamie dann noch das wunderschöne Nürnberg, mit der Vespa geht's hoch zur Burg und zu Fuß hinunter, über den Albrecht Dürer Platz, den Hauptmarkt und durch die Fußgängerzone, über die vielen kleinen Brücken, die die beiden Pegnitzufer miteinander verbinden. Ach ja, mein Nürnberg ist so schön, da kann ich meinen Studienkollegen verstehen, der hierher zurückgekehrt ist aus Zürich, weil die Noris für ihn der schönste Fleck der Welt ist.

Neben der fränkischen Metropolregion habe ich auch noch einen Abstecher nach Berlin gemacht. Obwohl ich hier nur selten bin, ist die Faszination jedes mal enorm. Berlin ist überwältigend, hier scheint man Geschichte auf jeden Schritt zu spüren, Altes und Neues lebt in einzigartiger Symbiose zusammen, so wie es eben nur in Berlin funktioniert. Kein Wunder, dass Berlin gerade in New York die angesagteste Stadt der Welt ist. Die einzige echte Alternative, in vielerlei Hinsicht. Vielleicht weil Berlin auch nicht schick ist und nicht nur mit Glanz und Glamour punktet, wie andere Metropole, sondern durch lebens- und liebenswerte Verkommenheit, das Abgefuckte, das ist letztlich das, was eine Stadt hip macht.

Auf dem Rückflug wählt der Pilot die Route über Long Island, man erkennt die großen Anwesen, die Pools und Golfplätze, den kilometerlangen Strand. Bei Coney Island zieht die Maschine nach links ab, um nach einer langen Kurve die Küstenlienie wieder zu überqueren und zur Landung anzusetzen. Beim Touchdown denke ich: "Schön wieder zuhause zu sein".

Wunderland

Dreimal die Hacken zusammenschlagen und dabei “There is no place like home” aufsprechen. So oder ähnlich war es bei Alice im Wunderland, jedenfalls laut der Interpretation der Zucker Brüder. Die Lehre war, dass es zuhause am schoensten ist und das Wunderland nicht existiert.  Jedesmal, wenn ich die eine Heimat verlasse um die andere zu besuchen, muss ich daran denken, an das „there is no place like home“ und jedesmal interpretiere ich das Gefühl, dass dabei entsteht anders. Jetzt, nach zehnmonatiger Abstinenz sehe ich Deutschland vielleicht zum ersten mal wie ein Besucher, ein wenig wie Bill Bryson als er zurück an die Ostküste kehrte nach vielen Jahren in Europa. Nun möchte ich mich literarisch nicht messen mit Herrn Bryson, sondern nur schildern, wie ich die Dinge sehe, vielleicht auch als Gedächnisstütze für mich selbst, um später einmal nachvollziehen zu können, wann und wie ich ein Ausländer geworden bin, a legal alien in New York.

Meine Reise beginnt in der West 3rd Street, die ich hinunterlaufe, vom Broadway hinüber zur U-Bahnstation West 4th, quer durch das NYU Studentenviertel, vorbei am besten Falafelstand der Stadt, eine letzte Stärkung noch vor dem Flug nehme ich zu mir. Der A Train nach Howard Beach ist voll mit Menschen aller Nationen, ein Gewirr von Sprachen und Hautfarben aller Schattierungen. Der A Train ist auch nicht der modernste, am ehesten erinnert er noch an Filme der 80er Jahre, als eine U-Bahnfahrt durch Brooklyn noch ein echtes Abenteuer war, no sleep til Brooklyn halt. Umso grösser ist der Kontrast, wenn man in Howard Beach ankommt und von einem der modernsten Bahnhöfen in Empfang genommen wird. Das kostet dann auch gleich $5 extra, soviel muss man zahlen um den kurzen Zubringerzug zum Flugterminal zu nutzen. Dort fällt mir noch eine amerikanische Eigenart auf: der Service ist immer freundlich, selten jedoch schnell. Die Dame am Deltaschalter braucht so auch eine halbe Stunde um mein Ticket auszudrucken, freundliche Kollegen kommen ihr zu Hilfe. Sie konnte die Fragen der Deltadialogmaske nicht beantworten. Die Zieladresse des Reisenden verlangt die Eingabe eines zweistelligen Buchstabenkürzels für den „State“. Leer oder BY fuer Bayern funktionieren nicht, wir kommen also nicht weiter. Erst als jemand auf die Idee kommt einfach eine amerikanische Adresse zu nehmen klappt‘s.

Kurz vor dem Flug drängt sich mir noch ein Samual Adams auf, ein großes nach amerikanischem Mass, nicht nach bayrischem. $11 ärmer gehe ich an Board und schlafe kurz nach dem Abendessen ein. Ein plötzlicher Sturzflug weckt mich auf, wir müssen zwischenlanden in Irland, scheinbar geht es einem Passagier extrem schlecht. Der Flieger ist in fünf Minuten unten, schon kurz nach der Ansage sah ich die Bremsklappen ausfahren und wenige Minuten danach hörte man das ausgefahrene Fahrwerk einrasten. Der Zwischenstopp zieht sich, hoffentlich geht es dem Patienten bald besser. Mein Bahnticket mit Zugbindung (der Schwabe in mir hatte mal wieder zugeschlagen) verliert gerade seine Gültigkeit, da geht es weiter. Mit drei Stunden Verspätung kommen wir in Frankfurt an. Die Immigration ist hier unproblematisch, ausnahmsweise bin ich ja Inländer mit gültigem Pass. Mir fällt auf, dass es keinen Schalter für deutsche Staatsbürger gibt, nur EU oder Nicht-EU, so haben wir die Welt aufgeteilt. Ideal für uns Deutsche diese EU, da hat man was zum Identifizieren ohne sich mit der Scham des Nationalstolzes auseinandersetzen zu müssen. Ich bin stolz ein Europäer zu sein, kling doch gut.

Die ersten Minuten in Deutschland. Irgendwie ist alles anders, ich empfinde es als ungewohnt, fast ein wenig fremd. Alles ist sehr sauber und aufgeräumt aber auch ein wenig trist hier. Na gut, der Frankfurter Flughafen ist ja auch kein Repräsentant deutscher Gemütlichkeit, das ist klar. Bei meiner letzten Ankunft vor zehn Monaten fiel mir zuerst das Rauchen auf, aber das ist ja nun auch passé. Am Gepäckband lausche ich den Gesprächen der Reisenden, die ihre Eindrücke von Amerika verarbeiten. Da ist von Gastfamilien die Rede, ein Mädchen erzählt ihre hätte keinen Fernseher im Wohnzimmer gehabt. Da sind zwei „like girls“, die waren shoppen und voller Begeisterung von Malls und Victoria Secret. $600 Dollar haben sie ausgegeben, das meiste für Abercrombie & Fitch. Die Geschäftsleute, die neben mir im ICE Kaffee sitzen, sind irgendwie putzig. So weltmännisch, am Telefon wird schon mal Englisch gesprochen, das macht was her.  Daneben ein Tisch mit Japanern, sie sind besser angezogen. Mir fällt auf, dass ich nicht mehr weiß, wie man nach der Rechnung fragt. Mir liegt „Der Scheck, bitte“ auf der Zunge, besinne mich dann aber doch noch eines Besseren. Schließlich steige ich ein in den ICE nach Nürnberg. Die Fahrt ist unglaublich ruhig, ganz anders wie in dem einzigen ICE, den das deutsche Konsortium in die USA verkauft hat, dem Acela, in dem es nur so rumpelt. Nein, der Zug hier ist klasse, ich kann in ruhe lesen und das hier in meinen Computer tippen. Plötzlich höre ich jemanden zwei Reihen vor mir telefonieren. Er spricht fränkisch und ist auf dem Weg nach Hause, nach Nürnberg. Ich muss lächeln und merke: das klingt nach Heimat.

To be continued…

Deutschland im Juni

Tag 1: Ich bin auf Heimaturlaub. Zwei Wochen lang lebe und arbeite ich wieder in Nürnberg. Heute Morgen komme ich an in Frankfurt, Flughafen. Wenige Minuten nach der Ankunft ist man schon am Fernreisebahnhof und ab geht’s im ICE vom Main an die Pegnitz. Auf dem Weg passiere ich Fürth, direkt hier, 300 Meter die Ludwigstrasse hoch habe ich 6 Jahre lang gewohnt. Michl holt mich ab und meine erste Station ist meine “alte” Firma. Bei braintransfer werde ich herzlich empfangen, das ist schön. Alles sieht anders aus, mehr Leute, mehr Flachbildschirme, vollere Räume. roter RennerSpäter hole ich meine Vespa ab, aus der Fränkischen Schweiz, dabei habe ich gleich die Gelegenheit durch Letztere zu cruisen. Auch mein Zimmer bei Christian in der Kommune 2 ist, wie ich es vor 5 Monaten verlassen habe: das Regal lehnt unaufgebaut in Einzelteilen an der Wand. Christians WohnzimmerWas habe ich vermisst an Deutschland? Definitiv meine Freunde und Familie, die Freiheit eines individuellen Fortbewegungsmittels und Bionade, das beste Erfrischungsgetränk seit dem es Wasser gibt.

Gesucht – Wanted

Der Flüchtige, Benjamin Z., ca. Mitte bis Ende 20, ist am Dienstagvormittag aus seiner Zelle in Gostenhof/ Nürnberg ausgebrochen. Zeugen haben beobachtet, wie er ein Flugzeug am Nürnberger Flughafen bestiegen hat. Die letzte bekannte Aufnahme (Abbildung hier) stammt von einer Überwachungskamera der New Yorker Verkehrsbetriebe (MTA) in Brooklyn. Z. wurde in der Vergangenheit im Kreise der konspirativen Treffen der Kommune 2 gesichtet und es wird angenommen, dass er mit dem ebenfalls flüchtigen Olaf K. kollaboriert. Herr Z. trägt einen schwarzen Kapuzenpullover, eine natogrüne Jacke, Jeans und schwarze Turnschuhe der Marke Adidas. Für sachdienliche Hinweise, die zu seiner Verhaftung führen, hat das Landeskriminalamt eine Belohnung von €12 ausgesetzt. Interpol ist bereit alarmiert. Vorsicht, der Gebrauch von Schusswaffen ist nicht ausgeschlossen.

Home is where the heart is…

Wo auch immer mein Herz grad für schlägt, ich komm jetzt erstmal nach Nürnberg über die Feiertage und hoffe Euch alle zu sehen. Wie immer: deutsches Handy ist ab Samstag morgen (23.12.) auf Empfang und ich auf dem Weg nach Erlangen und Nürnberg. Keine Arbeit, viel Zeit und bis 7. Januar in Europa. Ich liebe es!

Drei Wochen im Herbst

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Es war schön bei Euch in Europa. Es war schön in Nürnberg zu sein und in Wien. Es war schön in meiner WG, komatöse Nächte in der Kommune 1 in Rosenau. Es war schön mit Euch, daheim. Es war schön Euch zu sehen, bei Euch zuhause, in der Regina und im Willich, im Thai Food, im Stereo und überhaupt überall. Es war schön, jemanden zu treffen den man schon lange kannte um all das herauszufinden, was man noch nicht kennen konnte. Es war schön, jedes Mal, jedes Wochenende und jeder Tag, jede Nacht. 

Viel zu schön eigentlich.

 

Homeland

Für drei Wochen bin ich in meiner Zweitwahlheimat Nürnberg, die zweitschönste Stadt der Welt. Kein Heimaturlaub, sondern Dienstreise, wenn man so will. Drei Wochen beschäftige ich mich mit spannenden Projekten in meiner alten und irgendwie immernoch Firma, der braintransfer AG. Drei Wochen Freunde treffen und Nürnbergs Nachtleben einer intensiven Tauglichkeitsprüfung unterziehen, drei Wochen Euros statt Dollar, Apfelsaftschorle statt Vitamin Water. Mensch, freu' ich mich! Ach ja, meine alte Handynummer funktioniert natürlich noch, falls man mich erreichen will. Meldet euch mal und wir gehen auf eine Bier in die Regina oder ins Willich…

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Welcome to kreitz.de, a personal weblog edited by Olaf Kreitz since 2005. kreitz.de covers some of the notable things I come across in New York, online or elsewhere in the world, small and big adventures, my 5 cents on movies, music, art, food and stuff I like. More here.

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