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Kindheitstrauma XY

Faszination und Angst liegen so oft nah beieinander, vor Allem als Kind kann man das nicht so richtig trennen. Horrorfilme sind da ein gutes Beispiel, ein ganzes Filmgenre lebt quasi davon, immer perfidere Plots bahnen sich den Weg auf die Leinwand, je absurder, desto besser. Nun bin ich ein Kind der 70er Jahre, mit drei öffentlich-rechtlichen Sendern aufgewachsen hatte ich einen Schwarzweissfernseher mit Röhre bis ich 15 war, ohne Videorekorder. Für die Lesergeneration, die mit diesen Begriffen nichts mehr anfangen kann verweise ich auf Wikipedia. Ich kann aus Selbstschutz vor spontanen Midlifecrisis-Attacken nicht weiter darauf eingehen. Und wo wir beim Thema Generationen sind, noch eins: nein, wir konnten auch keine Filme streamen, downloaden oder stattdessen einfach im Internet surfen. Es gab nämlich weder das Internet, noch Computer, nur den Röhrenfernseher eben und das Erste, oder das Zweite, manchmal auch das Dritte, aber ich lebte in Bayern.

Unser Saw III war Aktenzeichen XY, eine Sendung die unter dem Deckmäntelchen der Kriminalprävention alle paar Wochen über den Äther lief. Präsentiert von Eduard Zimmermann, der mit der Moderation Kultstatus erreichte, wurden ungelöste polizeiliche Ermittlungen aufgearbeitet. Um die Fälle in allen Details dem Publikum präsentieren zu können, wurden sie in kurzen Episoden nachgespielt. Hier genau fing der Horror an für mich als Kind. Natürlich war ich fasziniert und natürlich konnte ich nach einer solchen Sendung schlecht schlafen. Meine Eltern wussten das und versuchten meinen XY Konsum zu kontrollieren. Aber in den Ferien, bei der Oma, da durfte ich natürlich schauen. Das nutzte ich auch aus und stopfte mir vor lauter Nervosität bei so einer Folge auch noch gerne mal eine Tüte Trets rein. Mit schlotternden Knien und leicht mulmigen Gefühl musste ich dann immer ins Bett, ängstlich schaute ich mich um beim Gang die Treppen hinauf, deckte mich schnell zu und hielt mir die Ohren zu, damit ich keine verdächtigen Geräusche höhren musste. Aber spätestens bei der nächsten Folge hatte ich all die Angst wieder vergessen und freute mich aufs Neue auf eine Folge von Aktenzeichen XY.

Groß war auch die Freude Aktenzeichen XY wiederzuentdecken. Diesmal in Farbe (meistens) und ganz im Internet natürlich, auf Youtube. Mittlerweile habe ich schon ein paar Sendungen gesehen, aber die allererste ist immer noch eine der besten:

Menschen mit Träumen

11te

Mit 18 hat man noch Träume, wird gesagt, ach die Jugend, wie unbekümmert sie ist, wie sorgenlos, ach wären wir nochmal so jung. Was waren wir damals bloß und was dachten wir würden wir einmal werden?

In der Grundschule wollte ich “Erfinder der Zukunft” werden. Die Lehrerin sagte, das gibt es nicht und petzte es meinen Eltern, die der Lehrerin recht gaben. Später wollte ich Förster werden, weil ich den Wald mochte, oder Lehrer,  weil ich nicht älter werden wollte. Architekt wollte ich werden, wegen dem Aufkleber ‘Do it with an architect’, den fand ich cool, und wegen meines Opas, der Architekt war, den fand ich auch cool. Irgendwann fand ich Design toll, wollte Designer werden aber außer meinem Kunstlehrer glaubte keiner an mich, selbst ich nicht. Betriebswirt Kaufmann bin ich dann geworden, auf dem Papier, ohne mich richtig damit zu identifizieren. Aber irgendwie ist was Wahres dran, irgendwie kommt wieder alles zusammen. Ich mache Marketing und Management, das kann ich einigermaßen nach 11 Jahren, ich arbeite in einer Designfirma mit Designern, die Architekten sind, wie viele meiner Freunde. Ich erfinde die Zukunft, jeden Tag ein Stück davon. Im Wald bin ich immer noch gerne und mit dem älter werden hab ich auch keine Probleme mehr, irgendwie kann man nicht immer 30 bleiben.

Das Foto oben habe ich neulich auf einer Webseite gefunden. Ich frage mich, was wohl all die anderen machen, was aus ihren Träumen geworden ist. Irgendwie erinnern mich diese alten Fotos an Breakfast Club, den legendären John Hughes Film. Die verschiedenen Gruppen von Schülern, die so kalt und rücksichtslos ihre Grabenkämpfe austrugen, diskriminierten und jede Chance nutzten um sich auf Kosten anderer in den Vordergrund drängen zu können um vermeintliche Anerkennung zu genießen. Die Popper, die Sportskanonen, die Punks, die Rocker und dann die Kellerkinder, die die Helden von heute sind, mit PhD und Doppeldoktor. Die sich lieber mit Assembler und Lötkolben beschäftigt haben als mit Suzuki und Lederjacke. Die Welt hat sich zu ihren Gunsten entwickelt und wenn sie es auch nicht so empfinden, eine gewisse Genugtuung ist nur gerecht, ein Ausgleich für die Anerkennungsdefizite zu Schulzeiten.

Alle haben ihren Weg irgendwie gemacht, Träume verwirklicht, Filme geschrieben oder Bücher, Firmen gegründet oder Familien. Nächstes Jahr sehe ich sie wieder, bei einem Klassentreffen, wenn alles gut geht und Alex (der im Foto hinter mir steht) wieder alles so gut organisiert. Dann kann ich ein Stückweit sehen, wohin die Träume diese Menschen gebracht hat und kann berichten, wenn jemand Interesse zeigt, wie es um die meinen steht.

Mann auf dem Mond

moon

Vor 40 Jahren schossen die Amerikaner den ersten Mann auf den Mond. Das war vermutlich total spannend, das live auf Twitter mitzuerleben. Ah, Moment, Twitter gab’s ja noch nicht und auch kein Internet, nicht mal eine Liveübertragung im Fernsehen, oder nur für wenige. Umso besser, dass man jetzt nochmal mitfiebern kann. Die John F. Kennedy Presidential Library & Museum hat eine Seite im Netz, auf der der gesamte Verlauf des Unternehmens Mondlandung in Echtzeit nachgespielt wird, inklusive den Funksprüchen in Audio und Twitterprotokoll.

US Charts # 1 Hits auf Deutsch

Nachdem ich lange Jahre Halbwahrheiten verbreitet und die in Deutschland allgegenwärtigen urbanen Legenden ohne weiteres Hinterfragen geglaubt hatte, musste ich mal recherchieren. War gar nicht so einfach, aber wenigstens scheint eines klar zu sein: es gab nur einen deutschsprachigen Nummer 1 Hit in den USA (Billboard 100 Charts), der auch von einem deutschsprachigen Künstler stammt. Nena, wie viele geglaubt haben, mich eingeschlossen, war nicht dabei – sie schaffte es mit "99 Red Balloons" nur auf Platz Nummer 2. Dazu kommt, dass der Song ja nun mal nicht auf Deutsch vorgetragen wurde, hier in den USA, sondern eben in englischer Übersetzung. Nein, der einzig halbwegs deutschsprachige Song ist Falco's "Rock Me Amadeus", der am 29. März 1986 für 4 Wochen an erster Stelle der US Billboard 100 Charts stand. Falco (Johann Hölzel) legte ja die meisten seiner Songs mehrsprachig an aber "Rock me Amadeus" enthält so viele deutsche Passagen, dass man wohl von einem "deutschen Lied" ausgehen kann (also streng genommen ist das natürlich Österreichisch und wer mir nicht glaubt, dass da ein Unterschied besteht, der möge im Jänner mit mir nach Wien kommen und sich vom Gegenteil überzeugen). Hier das grandiose Video…

Wer hat Rosa Parks aufgefordert, ihren Platz aufzugeben?

1956, als der Spiegel Afroamerikaner noch Neger nannte, geschah das, was als ein Auslöser des Endes der Rassentrennung in den USA gilt: Rosa Parks saß im Bus in Montgomery, Alabama, als ein "Weißer" den Bus betrat. Doch wer war der eigentlich Verantwortliche für den Beginn eines wochenlangen Busboykotts? Die Auflösung: der Busfahrer James F. Blake forderte Rosa Parks auf, ihren Platz für den neuen Fahrgast zu räumen und drohte sie ansonsten verhaften zu lassen. Dieses beantwortete sie mit: "You may go on and do so.", ließ sich verhaften und löste eine der größten Revolten der amerikanischen Geschichte aus.

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