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(K)ein Sommer in New York

Es war ein Trauerspiel mit dem Sommer in New York, bislang. Schön, superheisse 35°-im-Schatten-Tage mit 96% Luftfeuchtigkeit blieben bislang aus und die Stromrechnungen halten sich noch auf Winterniveau, ein paar Vorteile hat das Ganze also. Aber so richtig Sommerfeeling kommt erst langsam auf, eigentlich erst Anfang Juli, sehr ungewöhnlich. Trotzdem gibt es schon ein paar schöne Dinge zu berichten.

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IMG_0464Vor einigen Wochen hatte ich spontan Lust auf einen Ausflug zur Ikea. Weil ich in Manhattan war, nahm ich am Pier 11 das Water-Taxi, eine Mini-Fähre, auf der etwa 50 Leute Platz haben. Ikea bezahlt die Rechnung und so kann man ganz umsonst eine 15-minütige Bootsfahrt von der Südspitze Manhattans nach Red Hook, Brooklyn geniessen. Da kommt man dann gut gelaunt im Möbelhaus an und kauft voller Energie tolle Sachen, ein Badezimmer Teppich zum Beispiel, einen grauen, oder bunte Mülleimer, die bei der Wertstofftrennung helfen.

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Die Ikea hat ja einen tollen Park gebaut in Red Hook, direkt am Wasser, darüber schrieb ich schon letztes Jahr. In Manhattan gibt es jetzt auch einen neuen Park, der seit einigen Wochen endlich der Öffentlichkeit zugänglich ist: die Highline. Auf Stelzen getragene, ehemalige Güterbahnschienen, die sich von der 14ten Strasse bis in die 30er ziehen und New Yorks Modernisierung jahrzehntelang trotzten, wurden wiederbelebt. Jahrelang unbeachtet, wuchsen dort oben, 10 Meter über all dem Jubel und Trubel unbemerkt Unkräuter vorsichhin, bis irgendwann immer mehr Menschen auf die Highline aufmerksam wurden. Glücklicherweise wurde beschlossen diese Idylle jedem zugänglich zu machen und einige Ausschreibungen und Einreichungen später avancierte die Highline und der diese am Südende umgebende Meatpacking District zur Spielwiese moderner Architektur. Noch ist der Park nicht ganz fertig und noch ist er recht überfüllt aber schon einen Ausflug wert, der interessanten bautechnischen Details wegen oder einfach zum Entspannen, den Sonnenuntergang geniessen, mit bestem Blick über den Hudson.

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IMG_0490Ein weiterer beliebter Ausflugsort ist auch das PS 1 in Long Island City, Queens. Die umgebaute Schule ist eine Aussenstelle des MoMa und üblicherweise gibt’s dort immer ganz ausgefallene, sehr moderne Kunst von meist unbekannteren Künstlern (für mich ist fast alles Moderne unbekannt, weil meine kunstgeschichtliche Ausbildung dank gewissenhaften Lehrers leider bei Andy Warhol aufhörte und ich seither nicht die Muse fand Versäumtes nachzuholen). Wir nahmen die Bonnie und fuhren mal hin, letzten Samstag, trafen Max und warfen uns in die Menge junger Menschen, die sich das Samstagsprogramm Warm-up mit elektronischer Musik reinzogen, inklusive Bilder, Bier und Barbeque. Neben der Installation im Aussenbereich haben wir nur eine Weitere gesehen, innen war ein Pool aufgebaut, den man “begehen” konnte. Eine nur ca. 20cm dicke Wasserschicht suggerierte von oben betrachtet, dass unten im Wasser Leute stehen und wenn man den Grund des Pools betrat, fühlte man sich irgendwie von Wasser umgeben und empfand ein Stückweit die Weite und Schwerelosigkeit, die man unter Wasser zu finden glaubt.

No train till Brooklyn

franklinErstaunlich, was passiert wenn der Zug nicht kommt und die Menschen aus ihrem täglich Trott gerissen werden. Gestern kam kein Zug an der Franklin am Eastern Parkway, keine 2, keine 3 und auch keine 4/ 5. Die Polizei und Feuerwehr hatte alles abgesperrt, Gerüchte machten die Runde, es hätte sich jemand das Leben genommen. Also standen die Menschen da, am Eingang der U-Bahn, wie erstarrt, rat- und hilflos. Manchmal bewegte sich ein Grüppchen Richtung Bus, geleitet von einem mutigen Rudelführer, dahinter die Lemminge, die einfach folgten, egal wohin, nur weg von hier. Im Bus das gleich Bild: keiner schien zu wissen, wo es lang geht, welchen alternativen Zug oder Bus man nehmen könne, und wohin man überhaupt wolle. Man saß nur so da, im Bus, und hoffte insgeheim er würde einen schon ausspucken, irgendwo, am besten dort, wo man sich wieder auskenne.

Gut, dass die Linien bald wieder frei gegeben wurden, so das niemand mehr gezwungen war, sich in das Abenteuer zu stürzen, das auf einen lauert, der sich im wilden Dschungel der Stadt abseits des vertrauten Pfades bewegt.

BIG in Brooklyn

Es ist mal wieder Zeit für’s Kino, wieder ein Film, bei dem man das Ende schon kennt, wieder muss jemand sterben, ein Held gewissermaßen. NOTORIOUS erzählt die Geschichte des Christopher George Latore Wallace, später Biggie Smalls oder Notorious B.I.G., einem der größten Rapper aller Zeiten, für diejenigen, die ihn nicht kennen. Wallace musste sterben, weil East Coast Rap und West Coast Rap einem sinnlosen Battle  erlegen waren, dem auch Tupac Shakur zum Opfer fiel (einem ehemaligen Freund BIG’s).

Seine Karriere, vom drogenhandelnden Teenager zum Superstar, wird aus seiner und der Sicht Puff Daddy’s erzählt, der ihn früh entdeckt und aufgebaut hatte. Alles insgesamt sehr heroisch dargestellt, ausser Biggie’s Hang zur Polygamie und den Drogengeschichten („Ich war jung und brauchte das Geld“), bekommt man nicht den Eindruck es hier mit einem knallharten Typen zu tun gehabt zu haben. Das Ende ist traurig, Notorious B.I.G. wird nach seiner Comeback-Album-Release-Party in LA erschossen. Seine Mutter, eine wichtige Person in seinem Leben, bringt ihn ein letztes mal aufgebahrt auf einem Pick-up in seine Heimat, nach Downtown Brooklyn, wo ihm zehntausende das letzte Geleit leisten. Die dokumentarisch dargestellten Szenen sind beeindruckend und zeigen, das B.I.G. hier ein echter Held war.

November in New York

Coney Island in fall Oder was sonst noch geschah…

Einer der letzten Ausflüge auf dem Motorrad führte uns über Ditmas Park und Midwood nach Coney Island. In Ditmas Park, Brooklyn, nur 5 Minuten von mir entfernt bewunderten wir die freistehenden Häuser, die hier den Charme einer Vorstadt der Südstaaten versprühen. In Midwood wollten wir einmal die beste Pizza New Yorks essen, bei Di Fara, wo Sig. Di Marco seit einem halben Jahrhundert Pizzen dreht, mit sehr viel Liebe und besten Zutaten. Mmm, die war lecker, wenn auch der klassische italienische Geschmacksverstärker Olivenöl zu reichlich Anwendung fand.

Weiter gings nach Coney Island, kurz zuvor noch ein Stopp in Sheepshead Bay, wo die Fischer der Angeltourenboote abends ihre Übrigbleibsel verkaufen und man ganze Riesentunfische für $15 bekommt. Mal merken für später.

In Coney Island dann betrachteten wir den Vergnügungspark "ein letztes Mal", jedenfalls in dieser Form. Er soll ja nicht mehr aufmachen, weil ein Investor Luxuswohnungen hier bauen will, aber vielleicht zeigt sich die Immobilienkrise auch mal von der guten Seite und verschont uns noch ein Weile damit, vielleicht gibt es ja noch eine Chance, für das alte Coney Island, wenigstens noch eine Saison, noch einmal Corn Dogs essen und den Freak abschiessen. Wir werden sehen, bald ist es wieder Frühling, nur noch 5 Monate warten.

Das war der November in New York, jetzt wird's dann wirklich kalt und unangenehm, die Bonnie muss dann schlafen gehen, wie wir alle irgendwie, wenn alles nur noch wartet, dass es wieder warm wird.

Kann’s denn das gewesen sein?

Der Sommer fühlt sich manchmal schon an wie Herbst, das Licht ist so anders, so Oktober. Das nahende Ende übt ungemeinen Druck aus, die verbleibenden Sonnentage noch so zu nutzen, wie man es im Frühling vor hatte. Öfter an den Strand fahren, ein Konzert im Park besuchen, Freiluftkino, Eis lecken, Ausflüge machen, Grillen, Picknicken, und so was. Vieles fehlt noch auf der Liste und der Stress steigt, schnell noch alles durchziehen zu wollen. Aber so schlecht waren wir gar nicht, wie haben einiges geschafft.

Robert Moses Beach Am Strand waren wir zum Beispiel ein paar Mal, auf Fire Island, am Robert Moses Beach und jetzt noch schnell am Orchard Beach in der Bronx. Hier, an der Copacabana New Yorks, hauchen fröhliche Einwanderer dem an sich mittelmässigen Strand so viel Leben ein, dass ein Tagesausflug zur kleinen Weltreise wird. Insgesamt ist das Wasser hier an den New Yorker Stränden einen Tick zu kalt und zu wild, ich werd' wohl alt, oder habe mich in Costa Rica zu sehr verwöhnen lassen.

AussichtZum Ausgleich zu Stadt und Strand waren wir auch wieder in der Natur, wieder in den Adirondacks, dem gigantischen Naturschutzgebiet im Norden New Yorks. Hier gibt's hauptsächlich Wald, viel davon, und Hügel, bewaldet meistens. Dieses Mal waren wir am Lake George, da kann man auch baden, im wunderschön warmen und kristallklarem Wasser. Jeden Abend gab's BBQ, lecker.

Auch den Park haben wir genutzt, dieses Jahr. Es gab wieder das große Picknick, bei dem an die hundert Freunde kamen und alle was mitbrachten. Wir sind laufen gegangen, und Ball spielen. Wir haben Bon Jovi live gehört und gesehen (die letzten 2 Lieder, als viele schon gingen). Ja, man kann sagen, dieses Jahr haben wir die neu erworbene Nähe zum Park ein Stückweit genutzt. Noch nicht schamlos ausgenutzt, aber dennoch.   

Public Farm 1 Wir waren viel in Brooklyn, bei Freunden, oder zum Essen. Und in Queens, im PS 1 zum Beispiel gleich zwei mal, zum Warm Up und für die Olafur Elliason Ausstellung. Das alles haben wir mit der Vespa gemacht, oder Stella eigentlich, meinem schwarzen Superroller, der uns sicher durch die Saison gefahren hat und der einen Ehrenplatz in meiner Gallerie von Kraftfahrzeugen einnimmt. 

Zum Glück ist er noch nicht ganz vorbei, der Sommer, und der New Yorker Herbst ist ja auch ganz schön, es bleibt also noch viel zu erleben und zu entdecken. Schönes Ding!

Köttbuller has landed

Endlich war es so weit: im Juni hat nach jahrzehntelanger Wartezeit endlich New York City’s erste Ikea aufgemacht, in Red Hook, Brooklyn. Und weil das Community Board peinlich genau darauf geachtet hat, dass auch alles städteplanerisch korrekt abläuft, wurde das Möbelhaus dazu verdonnert einen großen Park entlang der alten Docks zu errichten, den Erie Basin Park. Ist ihnen gelungen. Jetzt können Besucher aus Manhattan am Wochenende umsonst das Watertaxi vom Pier 11 nehmen, direkt zu diesem schönen Uferpark rüber schippern, um abzuhängen oder sich eine Portion Köttbuller zu gönnen. Möbelschauen kann man natürlich auch, und kaufen, aber zurück nehmen darf man nur eine Tasche auf dem Wassertaxi, ansonsten muss man Busse und Bahn nehmen. Ist dann auch nicht mehr viel angenehmer als den Shuttlebus zur “alten Ikea” in Elizabeth, New Jersey zu nehmen. Trotzdem, die Ikea in Brooklyn ist insgesamt die schönste und am schönsten gelegene in der Tristate Area.

Ode an die Nabe

Das beste japanische Gericht im besten japanischen Restaurant der besten Stadt der Welt zusichgenommen, ist ja wohl nicht mehr zu übertreffen. Darum schreib' ich heute drüber. Nabeyaki Udon heißt das Gericht, eine Art Suppe mit viel drinn', Udon Nudeln logischerweise, Kohl, Brokkoli, Möhren, Lauch, Pilze, Huhn, ein Schrimp Tempura, Fishcake, und dies und das, manchmal mehr und manchmal weniger von dem einen oder anderen.

Wir sind schon die ganze Stadt abgefahren um die perfekte Nabeyaki Udon zu finden dabei hatten wir sie schon längst entdeckt gehabt. Im Geido, auf der Flatbush, dem ohnehin besten Japaner der Stadt, da ist sie am besten. Vor Allem die Brühe hier schmeckt unvergleichlich, der Champagner der Suppenbrühen quasi. Wer den weiten Weg nach Prospect Heights nicht scheut wird darüber hinaus mit allerlei fantastischen Vorspeisen belohnt und kommt auch beim Sushi auf seine Kosten.

Das elfköpfige Team, allesamt Japaner (mit Ausnahme des obligatorischen Lateinamerikaners, der in keiner Küche New Yorks fehlen darf), sind auf's Äußerste um das leibliche Wohl der Gäste bemüht und der Service ist en par mit dem Rest. Alles in extrem entspannter Atmosphäre, zu relativ entspannten Preisen. Also, two-thumbs-up und Vier Sterne!

Ein Tag auf Coney Island

Samstags ist die Hoelle los auf Coney Island und an diesem war es noch schlimmer, denn zusaetzlich fand das Siren Music Festival statt. Deswegen sind wir auch hingefahren aber haben von der Musik nicht so viel mitbekommen, dafuer den Freizeitpark erkundet. Astroland ist schon etwas betagt und wartet eher mit dem Charme morbiden Untergangs auf. Vermutlich wird es auch die letzte Saison sein, an dem der Cyclone Fahrgaeste in Angst und Schrecken versetzt – nicht weil die Achterbahn so atemberaubende Loops hat, sondern weil man das Gefuehl bekommt, die Holzkonstruktion koennte jeden Moment unter einem zusammenbrechen. Wir fuhren also lieber Riesenrad oder Wonder Wheel, wie es hier heisst, was spannend genug war. Vorher hatten wir uns mit Bier und Burgern gestaerkt und Hot Dogs vom Original Nathan’s. Die waren lecker.

Happy birthday, America!

Heute haben alle frei, weil heute hat das Land Geburtstag. Es ist Independence Day, einmal im Jahr am 4th of July. Seit 1777 wird mit nächtlichem Feuerwerk gefeiert, dass man sich im Jahr zuvor von England unabhängig erklärt hatte. Eigentlich beschlossen wurde das schon am 2. Juli 1776 aber erst am 4. Juli nachts um elf vom Kongress unterschrieben, wobei sich die Delegation aus New York ihrer Stimme enthielt. Trotzdem, schon ein Jahr später feierten alle 12 Kolonien am 4.7. den ersten Jahrestag der Unabhängigkeit und das bis heute. Nachdem ein Feuerwerk elementarer Bestandteil der Feierlichkeiten ist, haben wir uns bei Freunden in Williamsburg im 19 Stockwerk zusammengefunden, blicken hinaus nach Norden über den East River und bestaunen, was von Macy’s gesponsored in den Himmel geschossen wird.

Cherry Blossom Festival

Am Samstag sind wir 3 Minuten die Straße runter gelaufen und habe uns im Botanischen Garten das Cherry Blossom Festival angeschaut – das alljährliche Kirschblütenfest also, oder wer's gerne auf Japanisch hätte, das Sakura Matsuri. Nachdem ja New York mal wieder den Frühling vergessen hat und bis vor kurzem eher noch winterliche Verhältnisse herrschten, haben auch die Kirschblüten noch nicht so richtig mitbekommen gehabt, das sie das Blühen anfangen sollen. So mussten die Tulpen herhalten um dem Ganzen eine gewisse Farbenpracht zu verleihen, die dabei einen ganz guten Job machten. Auch sonst ist der Botanische Garten in Brooklyn, der sich, wie angesprochen, unweit meiner Wohnung befindet, sehr nett. Es gibt einen japanischen Garten, einen Steingarten, prächtige Wiesen und auch ein paar Gewächshäuser, in die wir aber nicht hinein gegangen sind, da außer uns noch der eine oder andere unterwegs war, dieses Wochenende.

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